Uruguays Fußball-Nationaltrainer Marcelo Bielsa hat mit einer außergewöhnlichen Pressekonferenz für Aufsehen gesorgt. Der 70-jährige Coach sprach am Montag 100 Minuten lang und äußerte dabei mehrere kuriose Ansichten. „Wovon ich absolut überzeugt bin, ist, dass es niemanden interessiert, was ich weiß“, sagte Bielsa. Er könne jedoch „perfekt“ erklären, „warum wir die Gruppenphase mit sieben Punkten hätten beenden müssen“. Uruguay, zweimaliger Fußball-Weltmeister, war bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada mit nur zwei Zählern bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.
Bielsa: „Nichts, was ich zu vermitteln versucht habe, war wichtig“
Bielsa, seit Mai 2023 im Amt, lieferte für das frühe Scheitern ungewöhnliche Erklärungen. „Ich merke, wenn es jemanden interessiert, was ich weiß. Nichts, was ich zu vermitteln versucht habe, war wichtig, auf keiner Ebene. Das war aus meiner Sicht nie wichtig. Ich sehe darin nichts Schlechtes – andere Leute sind nicht daran interessiert, zu erfahren, was ich weiß. Ende der Geschichte.“ Mit diesen Worten reagierte er auf die Frage nach den Gründen für das schwache Abschneiden seiner Mannschaft.
Einigkeit in der Mannschaft? Bielsa widerspricht
Bezüglich der von außen kritisierten mangelnden Einigkeit im Team um Kapitän Fede Valverde von Real Madrid widersprach Bielsa entschieden. „Wir waren so geeint, dass wir 20 Prozent mehr gelaufen sind als Saudi-Arabien, 30 Prozent mehr als Kap Verde und 25 Prozent mehr als Spanien“, sagte er. Diese Laufleistung sei für ihn ein Beleg für den Zusammenhalt der Mannschaft.
Torwart Muslera hatte Fieber und bat um Auswechslung
Auch für die schwachen Leistungen des von ihm für die WM zurückgeholten Torwarts Fernando Muslera hatte Bielsa eine Erklärung. Der 40-Jährige habe am Tag vor dem entscheidenden Spiel gegen Spanien 38 Grad Fieber gehabt, teilte Bielsa mit. Bei der 0:1-Niederlage gegen den Europameister im letzten Gruppenspiel in Zapopan (Mexiko) sah Muslera beim Gegentor unglücklich aus und bat zur Pause um seine Auswechslung. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Spieler um seine Auswechslung gebeten hat, weil seine Fehler Auswirkungen auf seine Psyche hatten“, sagte Bielsa. „Muslera sagte mir, er sei von dem Fehler, den er begangen hatte, so sehr mitgenommen, dass er lieber aufhören wolle zu spielen, da die Chancen der Mannschaft weiterhin intakt seien und er nicht in der besten Verfassung für die zweite Halbzeit sei, in der wir alles erreichen mussten.“
Kritik am Trainer nach WM-Aus
Der Cheftrainer war nach dem WM-Aus stark in die Kritik geraten. Uruguay hatte in der Gruppenphase nur zwei Punkte geholt und war als Gruppenletzter ausgeschieden. Bielsa zeigte sich auf der Pressekonferenz trotzig und betonte, dass er keine Zweifel an seiner Arbeit habe. Die ungewöhnliche Dauer und die teils paradoxen Aussagen des Coachs sorgten international für Verwunderung.



