IG-Metall-Chefin Benner: Wer in Deutschland verkauft, muss auch hier produzieren
IG-Metall-Chefin: Produktion muss in Deutschland bleiben

Hannover – Die Metallindustrie steckt seit Jahren in einer tiefen Krise! Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion ins Ausland und streichen monatlich im Schnitt über 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland – das sind mehr als 300 pro Tag. IG-Metall-Chefin Christiane Benner (58) will das nicht länger hinnehmen. Sie fordert: Wer seine Waren in Deutschland und Europa verkaufen möchte, muss sie auch hier herstellen.

Benner warnt vor Aderlass in der Industrie

„Wir beobachten mit Sorge, dass wir viel Aderlass haben – gerade auch in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen“, sagte Benner gegenüber BILD. In Ländern wie China würden solche Hightech-Jobs hingegen ausgebaut. „Mich besorgt, dass die Unternehmen diese bei uns abbauen, dass Innovation als Kostenblock gesehen wird“, so die Gewerkschaftschefin. Erst kürzlich kündigte der Autokonzern Stellantis den Abbau von 650 Ingenieursstellen in der Forschungsabteilung bei Opel in Rüsselsheim (Hessen) an.

Investitionen in Zukunftstechnologien gefordert

Digitalisierung, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz – Benner fordert mehr Investitionen in die Forschung, Standort-Garantien und Beschäftigungssicherung. Ihre Ansage an die Firmenchefs: „Wer in Europa und Deutschland verkauft, der muss auch hier produzieren. Das ist Wertschöpfung vor Ort.“ Produktion und Entwicklung in deutschen Werken müssten Beschäftigung sichern. „Wer soll denn sonst langfristig die Autos in Deutschland kaufen?“

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Politik in der Pflicht

Von der Politik fordert Benner bessere Rahmenbedingungen. Die Förderung beim E-Auto-Kauf mit sozialer Staffelung sei richtig. Defizite gebe es jedoch bei der Lade-Infrastruktur, bezahlbarem Ladestrom, hohen Energiepreisen und der Förderung der Batterie-Produktion. „Wenn es ein planvolles Vorgehen gibt mit guten Rahmenbedingungen, kann es durchaus gelingen, Industrie wirklich zu entwickeln und wettbewerbsfähig zu halten.“

Entlastungsprämie nur ein „Strohfeuer“

Die steuerfreie 1000-Euro-Entlastungsprämie bezeichnete Benner als „Strohfeuer“. Denn: „Wir haben nicht danach gefragt. Jetzt haben wir das Ding auf dem Tisch liegen und unsere Kolleginnen und Kollegen fragen: Wann kriege ich das denn eigentlich?“ Viele Unternehmen wollten die Prämie nicht zahlen. „Aber wir werden die Prämie dort holen, wo wir es können. Die Kollegen brauchen Entlastung!“

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