Ridley Scotts Welterfolg „Alien“ aus dem Jahr 1979 ist alles andere als reine Science-Fiction. Der Film entpuppt sich als scharfsinnige Kritik an einer Verzerrung des Arbeitsmarktes, der längst kein echter Markt mehr ist. Miriam Meckel analysiert in ihrer Kolumne, wie das wahre Monster nicht der außerirdische Xenomorph ist, sondern ein wirtschaftliches Konzept: das Monopson.
Die Handlung: Arbeitskampf im Weltall
Die Besatzung des Weltraumfrachters Nostromo wird aus dem Kryoschlaf gerissen, weil das Schiff einen Hilferuf von einem fremden Planeten empfängt. Doch bevor das erste außerirdische Wesen auftaucht, entbrennt ein Streit über etwas sehr Irdisches: die Bezahlung. „Das steht nicht in meinem Arbeitsvertrag“, protestiert ein Crewmitglied, als es darum geht, umzudrehen und das Signal zu untersuchen.
Doch der Konzern Weyland-Yutani Corporation hat vorgesorgt. Der Androide an Bord, ein treuer Vertreter der Konzerninteressen, verweist auf eine versteckte Klausel: Bei Missachtung droht „totaler Verlust der Anteile“. Ohne Untersuchung des Hilferufs gibt es kein Geld. Die Crew wird gezwungen, dem Befehl zu folgen – und die Aliens übernehmen das Kommando.
Das wahre Monster: Monopson statt Monopol
Das eigentliche Monster in „Alien“ ist nicht der schleimige Xenomorph, der alles frisst, was ihm in den Weg kommt. Es ist vielmehr ein Konzept, das die andere Seite der Medaille einer fortschreitenden Konzentration von Angebot und Nachfrage beschreibt: das Monopson. Während ein Monopol bedeutet, dass es nur einen Verkäufer gibt, bezeichnet das Monopson die Situation, in der es nur einen Käufer gibt – und das ist auf dem Arbeitsmarkt oft der Arbeitgeber.
„In einem Monopson haben Arbeitnehmer kaum Verhandlungsmacht“, erklärt Miriam Meckel. „Sie müssen die Bedingungen akzeptieren, die der einzige Käufer ihrer Arbeitskraft diktiert – oder sie verlieren ihren Anteil, wie die Crew der Nostromo.“ Die versteckte Klausel im Vertrag symbolisiert die Macht des Konzerns, der die Arbeitsbedingungen einseitig bestimmt.
Die Realität: Monopson auf dem Arbeitsmarkt
Das Phänomen des Monopsons ist keine Fiktion. In vielen Branchen, insbesondere in ländlichen Regionen oder bei spezialisierten Berufen, gibt es nur wenige Arbeitgeber. Studien zeigen, dass in den USA etwa 20 Prozent der Arbeitsmärkte als hochkonzentriert gelten, mit einem einzigen dominierenden Arbeitgeber. Die Folgen sind niedrigere Löhne, schlechtere Arbeitsbedingungen und weniger Innovation.
„Der Film zeigt, wie ein Monopson funktioniert: Der Konzern nutzt seine Macht, um die Crew zu erpressen“, so Meckel. „Das ist keine ferne Zukunft, sondern die Realität vieler Beschäftigter heute.“ Die Angst vor dem Verlust der Anteile – also des Einkommens – zwingt die Arbeiter dazu, Risiken einzugehen, die sie eigentlich ablehnen würden.
Fazit: Ein Klassiker mit aktueller Botschaft
„Alien“ ist mehr als ein Horrorfilm – er ist eine Parabel auf die Machtverhältnisse in der Arbeitswelt. Das Monopson, der einzige Käufer von Arbeitskraft, entpuppt sich als das wahre Monster, das die Freiheit und Würde der Arbeitnehmer bedroht. Miriam Meckels Analyse erinnert daran, dass Science-Fiction oft die Gegenwart spiegelt – und dass der Kampf um faire Arbeitsbedingungen kein Science-Fiction ist.



