32 Stunden nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela ist ein 18 Tage altes Baby lebend aus den Trümmern gerettet worden. Ein Video aus der besonders schwer betroffenen Küstenstadt La Guaira zeigt, wie Rettungskräfte den Säugling am Freitagabend bei Scheinwerferlicht und unter Applaus aus einem Trümmerberg befreien. Die Einsatzkräfte bildeten eine Menschenkette, um das in eine Decke gewickelte Baby von dem Schutthaufen herunterzureichen und reinigten es vorsichtig mit Feuchttüchern. Der Säugling blieb unverletzt; seine Mutter wurde eine Stunde später gerettet.
Zahl der Toten steigt auf über 1430
Die zwei Beben hatten sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich von Caracas ereignet. Die Erdstöße der Stärken 7,2 und 7,5 sowie dutzende Nachbeben ließen zahlreiche Gebäude einstürzen. Die venezolanischen Behörden gaben die Zahl der Toten zuletzt mit mindestens 1430 an, mehr als 3200 Menschen wurden verletzt. Befürchtet wird, dass Tausende unter Trümmern begraben sein könnten. In der Nacht auf Samstag erschütterte ein weiteres Beben der Stärke 4,9 die Nordküste, das auch in Caracas und Maracay zu spüren war.
Helfer singen, um Verschütteten Mut zu machen
Im Internet werden freiwillige Helfer gefeiert, die ihren Rettungseinsatz mit Gesang begleiten. Ein von „El País México“ geteiltes Video zeigt sie, wie sie laut und enthusiastisch singen: „Beruhig dich, mein Verletzter, wir sind fast da.“ Sie greifen dabei auf eine Abwandlung des venezolanischen Weihnachtslieds „El burrito sabanero“ zurück. Der Gesang soll Verschüttete auf die Helfer aufmerksam machen und Trost spenden. Das Video zeigt auch die Rettung eines eingeklemmten Kindes, das zu einem Helfer sagt: „Aber es ist alles zerstört.“
THW und Bundeswehr im Einsatz
In der Nacht auf Samstag traf ein Rettungsteam des Technischen Hilfswerks (THW) mit 48 Einsatzkräften in Caracas ein. Im Katastrophengebiet beginne nun „ein Wettlauf gegen die Zeit“, so das Hilfswerk. Am Samstag startete zudem der fünfte Bundeswehr-Flieger mit Hilfskräften, Medikamenten und Material. „Es ist geplant, dass täglich ein Flugzeug von hier startet“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Insgesamt seien bereits etwa 1600 internationale Rettungskräfte mit 17 Flugzeugen eingetroffen; 25 weitere Flüge werden erwartet. In der Region La Guaira sind laut Interimspräsidentin Delcy Rodríguez 14.000 Einsatzkräfte von Militär und Polizei im Einsatz.
Militär kontrolliert Norden Venezuelas
Angesichts der schweren Schäden im Bundesstaat La Guaira hat die Regierung die Region militarisiert. Die Streitkräfte übernahmen die Kontrolle, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Rettungsarbeiten zu erleichtern, sagte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez. Die Zufahrtsstraßen wurden gesperrt, um unnötige Reisen zu verhindern. Freiwillige Helfer müssen sich registrieren. Mehr als 380 Wohnhäuser, 13 Krankenhäuser und insgesamt über 1400 Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. Mehr als 300 Nachbeben wurden bislang registriert.
Zehntausende Vermisste gemeldet
Auf einem speziell eingerichteten Internetportal gingen Zehntausende Meldungen ein. Nach Betreiberangaben gelten rund 50.000 Menschen als vermisst. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Rodríguez telefonierte mit US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio, die Unterstützung zusagten. „Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit“, schrieb Rodríguez auf X.



