Nas Mohamed floh aus Katar, weil er schwul ist, und lebt heute in San Francisco. Nun spielt sein Heimatland dort bei der WM. Im Stadion will er daher ein Zeichen setzen.
Ein Zeichen der Liebe und Freiheit
Nas Mohamed, der aus Katar geflohen ist, weil Homosexualität dort kriminalisiert wird, spricht über seine Gefühle angesichts der WM-Spiele seines Heimatlandes in seiner neuen Heimat San Francisco. „Es gibt einen wütenden Teil in mir, einen verletzten, einen ängstlichen und einen traurigen“, sagt er. Die katarische Nationalmannschaft spiele ausgerechnet im Pride-Monat. Er versuche jedoch, sich nicht von seinen Gefühlen leiten zu lassen, da dies ihn sonst davon abhalten würde, seine Wohnung zu verlassen.
Nas Mohamed betont die Schwere der Situation: „Katar ist ein Land, das Homosexualität kriminalisiert, und ich bin so weit geflohen, wie ich nur konnte. In San Francisco werde ich dafür gefeiert, offen schwul zu sein. Aber ich bin der einzige Katarer, der öffentlich gemacht hat, schwul zu sein – in Katar weiß man genau, wer ich bin.“
Stadionbesuch mit Sicherheitsbegleitung
Nas Mohamed wird das Spiel im Stadion verfolgen, begleitet vom kalifornischen Senator Scott Weiner, der offen schwul und jüdisch ist. Er plant ein Fashionstatement: einen traditionellen Bisht, den er mit Hilfe von Freunden in San Francisco genäht hat. Der Bisht ist in Gold mit den Worten „Liebe und Freiheit“ bestickt und das Futter hat Regenbogenfarben.
Zu den erwarteten Reaktionen der Fans sagt er: „Wenn im Garten eine Blume blüht, ärgern sich die Leute, weil sie diese Pflanze gar nicht im Garten haben wollten. Ich sage: Ihr könnt die Blume nicht mögen, ihr könnt sie zu bunt finden. Aber ich werde bleiben, wie ich bin – egal, wie ihr reagiert.“
Fußball als Symbol der Gemeinschaft
Für Nas Mohamed bedeutet Fußball Gemeinschaft. „Fußball verbindet Menschen miteinander und bringt Freude. Es ist ein Symbol für das Feiern, ein Symbol für das Zusammenkommen, ein Symbol für die Gemeinschaft. Und genau deshalb tut es so weh, wenn einem nicht erlaubt wird, Fan zu sein.“
Er sieht die WM als Chance, Sichtbarkeit zu schaffen: „Wir brauchen das Rampenlicht der WM genau jetzt. Wir müssen dort stehen, wo der Wandel stattfindet. Wir müssen dort stehen, wo es unbequem ist. Sonst werden wir keinen positiven Wandel bewirken.“
Katarische Fans unter Beobachtung
Nas Mohamed berichtet, dass die katarische Regierung tausend Personen als Werbefans ausgewählt hat. Sie wohnen im selben Hotel, werden mit Bussen transportiert und sitzen im Stadion im selben Block. Sie haben Anweisungen, niemanden anzusprechen, besonders bei provokativen Anblicken. Er beobachtet auf Snapchat, dass sie im Pride-Monat einen Kulturschock erleben.
Er selbst steht unter besonderer Beobachtung: „Meine Regierung in San Francisco ist in Alarmbereitschaft, weil ich der einzige politische Gegner Katars in San Francisco bin. Sie beobachten mich.“ Für den Stadionbesuch wird er den ganzen Tag von Sicherheitspersonal begleitet, und der Transport wird von der US-Regierung organisiert.



