Die jüngste Hitzewelle in Europa ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur ein Vorbote dessen, was den Kontinent in den kommenden Jahren erwartet. „Diese Hitzewelle ist eine Generalprobe“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, laut einer Mitteilung. „Die nächsten Sommer werden noch schwieriger werden.“ Hitzewellen seien längst keine „einmaligen Extremereignisse“ mehr, sondern wiederkehrende Krisen. „Sie treten häufiger auf, werden intensiver und dauern länger.“
Rekordzahlen bei Rettungsdiensten und hitzebedingte Todesfälle
Die aktuellen Auswirkungen sind bereits dramatisch: Rettungsdienste meldeten laut WHO Rekordzahlen bei Einsätzen. In Frankreich sei die Zahl der Notrufe in einigen Städten um bis zu 50 Prozent gestiegen. In London wurde vergangene Woche die höchste Zahl an Notrufen in lebensbedrohlichen Situationen registriert, die der Rettungsdienst dort jemals an einem Tag verzeichnete. In Spanien gab es binnen weniger Tage schätzungsweise mehr als 300 hitzebedingte Todesfälle.
Mangelnde Vorbereitung in vielen Ländern
Auf solche Situationen seien viele Staaten nach wie vor nicht ausreichend vorbereitet, mahnte Kluge. „Mehr als die Hälfte der europäischen Länder verfügt bislang noch immer nicht über einen umfassenden Hitzeaktionsplan.“ Dabei könnten solche Pläne Leben retten – gemeinsam mit Frühwarnsystemen, kühlen Orten und der Unterstützung gefährdeter Menschen.
Vorbilder in Barcelona und Paris
In manchen Ländern und Städten sieht Kluge gute Vorbilder. Barcelona etwa habe sein Netz an Klimaschutzräumen auf mehr als 500 Standorte ausgeweitet – darunter Bibliotheken, Parks und Apotheken. Paris habe sein Register für Kontrollanrufe bei besonders gefährdeten Bürgerinnen und Bürgern aktiviert und den Verkauf von Alkohol eingeschränkt. „Das sind nur wenige Beispiele für praktische und gut umsetzbare Maßnahmen“, so Kluge. „Jede Stadt in Europa sollte über vergleichbare Konzepte verfügen.“



