Inflation in Deutschland sinkt weiter – Verbraucher entlastet
Inflation in Deutschland sinkt weiter

Die Inflation in Deutschland sinkt weiter und erreicht im Mai 2024 den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Teuerungsrate bei 2,2 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vormonaten. Im April hatte die Inflationsrate noch 2,4 Prozent betragen, im März 2,2 Prozent. Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, der bereits seit Anfang des Jahres zu beobachten ist.

Energiepreise treiben Inflation weniger stark

Hauptgrund für den Rückgang sind die gesunkenen Energiepreise. Im Vergleich zum Vorjahr verbilligten sich Energie um 1,1 Prozent. Besonders Heizöl und Kraftstoffe wurden günstiger. Auch die Preise für Nahrungsmittel stiegen nur noch moderat um 1,0 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich hingegen um 3,9 Prozent, was vor allem auf höhere Löhne und Mieten zurückzuführen ist.

„Die Inflationsrate nähert sich langsam dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent“, sagte Dr. Sebastian Dullien, Chefvolkswirt des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). „Das ist eine gute Nachricht für Verbraucher und die gesamte Konjunktur.“

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Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel

Die Kerninflationsrate, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, lag im Mai bei 3,0 Prozent – ebenfalls ein Rückgang gegenüber dem Vormonat (3,2 Prozent). Dies zeigt, dass der Preisauftrieb auch in breiteren Bereichen nachlässt. Ökonomen werten dies als Zeichen dafür, dass die Teuerung nachhaltig zurückgeht.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Verbraucherpreisen für Güter des täglichen Bedarfs. So sanken die Preise für Molkereiprodukte um 2,5 Prozent, für Brot und Getreideerzeugnisse um 1,8 Prozent. Auch Obst und Gemüse wurden günstiger. Lediglich bei Fleisch und Fleischwaren gab es einen leichten Anstieg von 0,6 Prozent.

Auswirkungen auf die Geldpolitik der EZB

Der anhaltende Inflationsrückgang könnte die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Zinssenkungen bewegen. Bereits im Juni hatte die EZB ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. „Sollte die Inflation weiter fallen, sind weitere Lockerungen möglich“, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde kürzlich. Niedrigere Zinsen würden Kredite verbilligen und die Wirtschaft ankurbeln.

Allerdings warnen Experten vor zu großer Euphorie. Die geplanten Mehrwertsteuererhöhungen in der Gastronomie und die steigenden CO2-Preise könnten die Inflation im zweiten Halbjahr wieder leicht anheizen. „Die Richtung stimmt, aber der Weg ist noch nicht zu Ende“, so Dullien.

Verbraucher profitieren von sinkenden Preisen

Für die Verbraucher in Deutschland bedeutet die niedrigere Inflation eine spürbare Entlastung. Die Realeinkommen steigen, da die Löhne zuletzt kräftig zugelegt haben. Im ersten Quartal 2024 wuchsen die Tariflöhne um durchschnittlich 5,6 Prozent – der höchste Anstieg seit Jahrzehnten. „Die Kaufkraft der Menschen verbessert sich deutlich“, sagte ein Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen profitieren, da sie einen größeren Teil ihres Budgets für Energie und Nahrungsmittel ausgeben. Die Entlastung kommt zur rechten Zeit, denn viele Familien hatten in den vergangenen Jahren unter der hohen Inflation gelitten.

Ausblick: Inflation bleibt vorerst niedrig

Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Inflation in Deutschland im Laufe des Jahres 2024 weiter sinken wird. Die Bundesbank prognostiziert für das Gesamtjahr eine Rate von 2,3 Prozent. Für 2025 wird sogar ein Wert von 1,9 Prozent erwartet – dann wäre das EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent erreicht.

Allerdings bleiben Risiken: Die geopolitische Lage, insbesondere der Krieg in der Ukraine und die Spannungen im Nahen Osten, könnten die Energiepreise wieder in die Höhe treiben. Auch die Lohnentwicklung birgt Potenzial für höhere Preise, wenn Unternehmen die gestiegenen Personalkosten an die Kunden weitergeben. Dennoch ist der Trend klar: Die Inflation in Deutschland ist auf dem Rückzug.

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