Die Konzeptkünstlerin Rune Mields ist tot. Sie starb am 27. Juni im Alter von 91 Jahren in Köln, wie ihre Galerie mitteilte. Die gebürtige Münsteranerin war eine der wenigen deutschen Künstlerinnen, die sich konsequent der mathematischen und systematischen Kunst verschrieben hatte.
Autodidaktin mit Durchsetzungskraft
Mields, die mit ihrem markanten roten Haar auffiel, ließ sich nie beirren. Als ein Kunstkritiker ihr zu Beginn ihrer Laufbahn sagte „Frauen können nicht malen“, antwortete sie knapp: „Wenn Sie meinen“ und machte weiter. Im Interview mit dem Kunstmagazin Monopol anlässlich ihres 90. Geburtstags kommentierte sie: „Davon darf man sich nicht beirren lassen. Man muss sich durchsetzen.“ Nach einer Buchhändlerlehre in Münster fand sie erst spät zur Kunst.
Gründung des Aachener Kunstvereins Gegenverkehr
1968 gehörte Mields zu den Gründern des Aachener Kunstvereins Gegenverkehr, einem legendären Avantgarde-Treffpunkt, der nur vier Jahre bestand. Dort zeigte sie ihre frühen Röhrenbilder, die erst 2024 anlässlich ihrer Geburtstagsausstellung im Bonner Kunstmuseum wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückten. 1970 entschied sie sich endgültig für die freischaffende Kunst und begann ihr anhaltendes Interesse an Ziffern und Systemen.
Mathematik als Schlüssel zum Weltverständnis
„Um das Leben zu verstehen, muss man Mathematik verstehen“, war ihr Credo. Ihre Werke kombinieren geometrische Formen, Zahlenkolonnen und skripturale Zeichen, die an Höhlenmalerei erinnern. 1977 holte Documenta-Macher Manfred Schneckenburger sie zur sechsten Ausgabe nach Kassel – eine wichtige Bestätigung für die Autodidaktin. 1984 wurde sie Gastprofessorin an der Berliner Hochschule der Künste, 1989 Ehrengast in der Villa Massimo in Rom.
Gabriele-Münter-Preis und eigenes Grabmal
Im Jahr 2000 erhielt sie den Gabriele-Münter-Preis für ihr Lebenswerk und ihr Engagement für andere Künstler. Bereits 1992 schuf sie ihr eigenes Grab auf dem Künstler-Friedhof in Kassel: einen eckigen Plattenweg mit Primzahlen zwischen 1 und 100. „Mathematik wird dem Betrachter sichtbar, wenn er den Buchstaben folgt“, heißt es dort. Auf ihren Wunsch wird sie in Kassel beigesetzt.



