Jubiläumsausgabe mit Überraschungssiegerin
Lena Schätte hat den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Die Auszeichnung wurde am Sonntag im Rahmen des 50. Klagenfurter Literaturwettbewerbs verliehen. Ihr Text mit dem Titel „Drinnen tropft mir die Sintflut auf die Stirn“ setzte sich gegen 13 weitere Beiträge durch. Die Jury lobte die sprachliche Dichte und die thematische Tiefe des Werks.
Klassismus-Debatte und milde Jury
Der Wettbewerb stand in diesem Jahr im Zeichen einer Debatte über Klassismus im Literaturbetrieb. Mehrere Teilnehmende kritisierten die mangelnde soziale Durchmischung unter den Autoren. Die Jury zeigte sich in ihren Bewertungen ungewöhnlich milde, was zu Diskussionen führte. Philipp Tingler, selbst Jurymitglied, äußerte sich nach der ersten Lesung kritisch: „Wir sind seit 55 Minuten hier und ich habe das Gefühl, es dauert schon wieder zehn Jahre.“
Preisgeld und weitere Auszeichnungen
Der mit 25.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Lena Schätte. Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) wurde an Fiona Sironic verliehen, der Kelag-Preis (10.000 Euro) an Jan Snela. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 55.000 Euro ausgeschüttet. Die Veranstaltung zog rund 500 Besucher an.
Reaktionen der Preisträgerin
Schätte zeigte sich überwältigt: „Ich bin sprachlos. Dieser Preis bedeutet mir unglaublich viel.“ Sie betonte die Bedeutung des Wettbewerbs für die deutschsprachige Literaturszene. Der Text sei inspiriert von persönlichen Erfahrungen mit Naturgewalten und dem Gefühl des Ausgeliefertseins.
Historischer Kontext
Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 jährlich in Klagenfurt verliehen. Er gilt als einer der renommiertesten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Die 50. Ausgabe stand unter der Leitung von Jury-Präsidentin Insa Wilke. Das Festival bot auch ein Rahmenprogramm mit Lesungen und Diskussionen zur Zukunft der Literaturförderung.



