Neue Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal gestartet
In der Wismarer Bucht hat am Dienstag eine neue Rettungsaktion für den seit Wochen gestrandeten Buckelwal begonnen. Nach dem gescheiterten Versuch vom Vortag setzen die Helfer nun Saug- und Spülgerät ein, um das Tier zu entlasten. Dies erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel.
Kritischer Zustand durch sinkende Wasserstände
Der Wasserstand in der Wismarbucht ist seit Montag deutlich gesunken und lag am Dienstagmorgen etwa 50 Zentimeter niedriger als zur gleichen Zeit am Vortag. Nach Angaben des Wasserstandsvorhersagedienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sollte der Pegel gegen 10:00 Uhr sein Maximum erreichen und im Tagesverlauf um weitere 30 Zentimeter fallen. Durch den gesunkenen Wasserstand ragt der Wal stärker aus dem Wasser, was zu erhöhtem Druck auf seine inneren Organe führt.
Personelle Ausfälle erschweren Rettungsbemühungen
Parallel zu den neuen Rettungsbemühungen verzeichnet die private Initiative erhebliche personelle Verluste. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin auftrat, ist von ihrem Amt zurückgetreten. Sie begründete ihren Schritt damit, dass eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich sei.
Zudem fällt die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert aus, die am Montag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht wurde. Auch eine weitere Tierärztin ist nicht mehr im Einsatz. Umweltminister Backhaus äußerte sich besorgt über die Abreise der aus Hawaii eingeflogenen Tierärztin Jenna Wallace, die Medienberichten zufolge aufgrund von Differenzen im Team die Initiative verlassen hat.
Gescheiterter Rettungsversuch am Montag
Der Buckelwal hatte am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich zu schwimmen begonnen, nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte. Von Booten aus wurde versucht, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach etwa zwei Stunden stoppte das vermutlich schwer erschöpfte Tier jedoch und liegt seither wieder an derselben Stelle nahe des tieferen Fahrwassers.
Ablauf der aktuellen Rettungsaktion
Am Dienstagvormittag nahmen Mitglieder der privaten Initiative ihre Arbeiten am Wal wieder auf. In Livestreams ist zu sehen, wie Helfer in Neoprenanzügen durch das flache Wasser zu dem Meeressäuger waten. Mit Paddeln und teilweise mit bloßen Händen bespritzen sie das Tier mit Wasser, um es feucht zu halten. Später kam ein Schiff mit schwerem Gerät in die Nähe, um die Spülversuche zu starten.
Laut Umweltminister Backhaus soll dem etwa zwölf Meter langen Wal auch Nahrung angeboten werden, konkret Hering und Shrimps. Trotz des kritischen Zustands beschrieb Backhaus den Wal als vital und betonte, dass er noch eine Chance habe.
Chronologie der Walstrandungen
Erste Sichtungen des Buckelwals gab es bereits Anfang März. Am 3. März tauchte das Tier im Hafen von Wismar auf und zog zahlreiche Schaulustige an. Gegen Abend schwamm es wieder Richtung Ostsee. In den folgenden Tagen wurde der Wal vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet. Experten zufolge hatte sich das Tier wiederholt in Netzen verfangen, von denen es durch Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd teilweise befreit werden konnte.
Die erste Strandung erfolgte am 23. März auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm der Wal schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete er erneut, diesmal auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm das Tier in der Nacht kurzzeitig weiter, lag dann aber wieder in der Wismarbucht auf. Seit dem 31. März saß der Wal in der Kirchsee-Bucht fest, bevor es am Montag zur nunmehr fünften Strandung kam.



