Neues Zuhause für eine Bärenseniorin: Teddy zieht in den Bärenwald Müritz
Ein bewegender Lebensabschnitt beginnt für die Braunbärin Teddy: Nach 32 Jahren in einem Tierparkgehege wird die Bärin in das Bärenschutzzentrum Bärenwald Müritz in Stuer umgesiedelt. Die internationale Tierschutzorganisation Vier Pfoten führt gemeinsam mit der Stiftung für Bären diese Rettungsaktion durch, die für Montag, den 27. April, geplant ist. Der Transport soll aufgrund der kurzen Distanz an einem einzigen Tag bewältigt werden.
Von Beton zu Wald: Ein fundamentaler Wechsel
Magdalena Scherk-Trettin, Projektmanagerin bei Vier Pfoten, betont die Bedeutung dieses Schrittes: „Wir freuen uns außerordentlich, dass Teddy durch die Kooperation unserer Organisation mit der Stiftung für Bären ein völlig neues Zuhause erhält. Der Tierpark Westerhausen hat eine äußerst verantwortungsvolle und tierfreundliche Entscheidung getroffen – insbesondere im Hinblick auf Teddys fortgeschrittenes Alter und die speziellen Anforderungen einer Bärenseniorin. Im Bärenwald Müritz kann sie endlich in einer Umgebung leben, die ihr ausreichend Bewegungsfreiheit und optimale Lebensbedingungen bietet.“
Teddy wurde bereits im Jahr 1994 im Tierpark Westerhausen geboren. Ihr Gehege wurde zwar Anfang der 2000er Jahre modernisiert und erfüllt nach Angaben die Mindeststandards. Dennoch sind Raum, Bewegung und Möglichkeiten zur natürlichen Verhaltensentfaltung für eine alte Bärin auf Dauer nicht ausreichend, wie der Förderverein Tierpark Westerhausen mitteilt.
Gesundheitliche Herausforderungen und tierärztliche Betreuung
Steffen Raßfeld, Vorsitzender des Fördervereins, erklärt die Motivation hinter der Entscheidung: „Um Teddy ein Leben in einer Umgebung zu ermöglichen, die ihren Bedürfnissen wesentlich besser gerecht wird, geben wir sie in den Bärenwald Müritz, wo sie künftig artgemäße Bedingungen vorfinden wird.“
Ende Oktober 2025 wurde Teddy erstmals umfassend veterinärmedizinisch untersucht. Experten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung bescheinigten ihr einen dem Alter entsprechenden guten Allgemeinzustand. Allerdings wurden behandlungsbedürftige gesundheitliche Probleme festgestellt:
- Vier frakturierte Zähne
- Haltungsbedingte Druckstellen an den Ellenbogen
- Problematische Stellen an den Pfoten
Julia Bohner, leitende Wildtierärztin, versichert: „Im Bärenwald Müritz wird sie diese notwendigen Behandlungen erhalten sowie eine Haltung, die ihren speziellen Bedürfnissen vollkommen angemessen ist.“
Jahrelange Vorbereitungen führen zum Erfolg
Die Verlegung ist das Ergebnis langjähriger Vorbereitungen der Stiftung für Bären und eines intensiven Austauschs aller Beteiligten. Das primäre Ziel war stets eine Unterbringung, die Teddys Bedürfnissen dauerhaft entspricht.
Bernd Nonnenmacher, Geschäftsführer der Stiftung für Bären, erläutert: „Der Fall Teddy begleitet uns bereits seit ungefähr zehn Jahren – umso größer ist unsere Freude, dass nun gemeinsam eine ausgezeichnete Lösung für die Bärin gefunden werden konnte. Gemeinsam mit Vier Pfoten gehen wir diesen bedeutenden Schritt, um Teddy einen angemessenen und tiergerechten Lebensabend zu ermöglichen.“
Beide Organisationen sehen in diesem Umzug ein vorbildliches Beispiel für verantwortungsvolles Handeln werterhaltender Einrichtungen und hoffen auf zahlreiche Nachahmer. Der Bärenwald Müritz besteht seit dem Jahr 2006 in der malerischen Mecklenburgischen Seenplatte. Dort leben gegenwärtig zehn von Vier Pfoten gerettete Braunbären auf einer Fläche von 16 Hektar naturbelassenem Wald. Die Anlage dient nicht nur dem Schutz der Tiere, sondern auch der umfangreichen Aufklärungsarbeit der Organisation.



