Seit 30 Jahren wird am letzten Sonnabend im April der internationale Tag der Erde im Kirchlein im Grünen in Alt Placht begangen. Roland Resch, Vorsitzender des Fördervereins, erinnerte daran, dass diese Tradition ein Jahr länger besteht als der Naturpark Uckermärkische Seen selbst.
Globale Moorexpertin zu Gast
Dr. Franziska Tanneberger, Leiterin des Greifswald Moor Centrum, hielt einen kurzweiligen Vortrag über den Zustand der Moore und ihre Bedeutung für das Klima. Sie verstand es, in rund einer halben Stunde globale Zusammenhänge greifbar zu machen – mit Fachkenntnis, Tempo und einer Prise Humor.
Warum gutes Schuhwerk bei Weltklimakonferenzen nötig ist
Ausgangspunkt war ihre Teilnahme an der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém im November 2025. Die Trinkflasche von dort hatte sie im Gepäck, ebenso wie die augenzwinkernde Erkenntnis: Wer an solchen Konferenzen teilnimmt, braucht vor allem gutes Schuhwerk. Mehrere Kilometer lege man täglich zurück, der Aufwand lohne sich dennoch. „Man spart viele Reisen, weil man so viele Menschen aus der ganzen Welt trifft“, sagte Tanneberger, die Flugreisen wenn möglich vermeidet. Persönliche Kontakte, die auf diesen Konferenzen entstehen – etwa nach Indonesien, Bangladesch oder Brasilien – würden oft digital weitergeführt und seien jetzt Teil ihres globalen Netzwerkes.
Nasse Moore als Kohlendioxid-Speicher
Im Kern ihres Vortrags ging es um die Bedeutung der Moore für das Klima. Als gewaltige Kohlenstoffspeicher sind sie von zentraler Bedeutung – allerdings nur, wenn sie intakt sind, also nass. In Deutschland trifft das auf lediglich rund zwei Prozent der Moorflächen zu. „Wir sind Weltmeister im Entwässern“, sagte die Expertin. Die Folgen sind gravierend: Trockengelegte Moore setzen Kohlendioxid frei. In Mecklenburg-Vorpommern gehen etwa 40 Prozent der Treibhausgasemissionen darauf zurück. Messbar sei das auch am Boden selbst – jährlich gehe etwa ein Zentimeter verloren.
Schilf statt Torfmoos im Gartenbau
Welche Wege aus diesem Dilemma führen, skizzierte die auf Rügen lebende Wissenschaftlerin, der seit ihrer Kindheit Natur und wasserreiche Landschaften angetan haben, anschaulich. Wiedervernässung sei entscheidend, zugleich brauche es neue Nutzungsformen für nasse Flächen. Beispiele reichen von der Haltung von Wasserbüffeln über die Nutzung von Schilf als Baustoff bis hin zum Anbau von Torfmoos als Ersatz für Torf im Gartenbau. „Es geht nicht um ein Entweder-oder“, so Tanneberger, sondern um Lösungen, die auch für Landwirte tragfähig sind.
Bund fördert Wiedervernässung
In diesem Zusammenhang verbindet sie Hoffnungen mit einem erst vor wenigen Tagen aufgelegten Förderprogramm des Bundes, das mit 1,75 Milliarden Euro die Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen unterstützt. Bis 2030 sollen durch entsprechende Maßnahmen jährlich rund 2,25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden. Dafür müssten etwa 90.000 Hektar Moorflächen wiedervernässt werden.
Wissenschaftsskepsis beobachtet
Zugleich betonte Tanneberger die Bedeutung wissenschaftlicher Transparenz. Gerade angesichts wachsender Zweifel an Forschungsergebnissen und „Wissenschaftsskepsis“ sei es wichtig zu erklären, wie Erkenntnisse entstehen – etwa durch Messreihen und Freilandversuche. Die Resonanz im Publikum war groß. Zahlreiche Fragen wurden gestellt, Gespräche anschließend draußen auf der Wiese vor dem Kuchenstand der Densower Landfreuen fortgesetzt – auch mit Landwirten aus der Region.
Musik mit Natur verbunden
Für den sehr stimmigen musikalischen Ausklang sorgten Mitglieder des Fördervereins mit Werken von Bach, Telemann und Händel. Einen besonderen und überraschenden Akzent setzte eine Bearbeitung von David Bowies „Nature Boy“ für Cello und Orgel. So zeigte sich Alt Placht einmal mehr als ein Ort, an dem globale Themen verständlich werden: Weil Austausch, Wissen und Gemeinschaft eine lebendige Verbindung eingehen.



