Jabra Evolve3 85 im Test: Ein Kopfhörer für Vieltelefonierer
Der Jabra Evolve3 85 fällt aus dem Rahmen herkömmlicher Kopfhörertests. Nicht wegen seines Listenpreises von 688 Euro, den man nirgends bezahlt, sondern weil er primär weder für Musikgenuss noch für Flugreisen konzipiert ist. Stattdessen findet er seinen Arbeitsplatz am Arbeitsplatz – auch wenn dieser nicht im Büro liegt. Im Test zeigt sich, dass er trotz seiner Spezialisierung auf Videokonferenzen und Telefonate auch als Entertainer überzeugen kann.
Design und Tragekomfort: Leicht und funktional
Das Design des Evolve3 85 ist schlicht und wirkt aufgrund des überwiegenden Kunststoffmaterials nicht sonderlich edel. In dieser Hinsicht ähnelt er dem WH-1000XM6 von Sony, bei dem ebenfalls Plastik dominiert. Lediglich die ausfahr- und drehbaren Bügel sind aus Metall gefertigt. Das mitgelieferte Etui ist klein und leicht, bietet ausreichenden Schutz, ist jedoch deutlich dünner als die Transportboxen vieler Konkurrenten.
Ein entscheidender Unterschied zu audiophilen Gegenstücken ist das Gewicht. Mit 220 Gramm ist der Jabra 34 Gramm leichter als der bereits leichte Sony WH-1000XM6 und wiegt fast 170 Gramm weniger als Apples AirPods Max 2. Dies spürt man sofort: Der Kopfhörer liegt angenehm leicht auf dem Kopf, was ihn für lange Nutzungsphasen prädestiniert. Das ist besonders wichtig, da der Evolve3 85 dafür gedacht ist, stundenlang getragen zu werden – im Großraumbüro, in der Bahn, im Flugzeug oder im Café.
Funktionen für professionelle Kommunikation
Jabra-Kopfhörer zielen auf eine Kundschaft ab, die viel telefoniert und Videokonferenzen führt. Eine dedizierte Taste zum Aufrufen von Microsoft Teams sowie eine LED, die auf Wunsch rot leuchtet, während man telefoniert, machen dies unübersehbar. Die Mikrofone fangen die Stimme der Trägerin oder des Trägers transparent und vollständig auf. Die von Jabra als »ClearVoice« bezeichnete Technologie nutzt KI-gestützte Deep-Learning-Technologie und fortschrittliche Algorithmen, um störende Geräusche wie Autoverkehr oder Unterhaltungen am Nebentisch zu unterdrücken.
Klangqualität: Überraschend gut für Musik
Von einem Office-Kopfhörer hätte man es nicht erwartet, aber der Evolve3 85 klingt auch bei Musik gar nicht schlecht. Sein Klangcharakter verrät jedoch seine eigentliche Bestimmung: Der Mittenbereich wird sehr transparent wiedergegeben, was vor allem Stimmen und Gitarren zugutekommt. In David Gilmours »Velvet Nights« kommen Gesang und Gitarren sauber und detailliert an die Ohren. Der Bass wirkt dagegen etwas dumpf und wenig definiert, wie auch in Charlie Puths »Changes« zu hören ist. Hier dominieren die Höhen, die ausgesprochen seidig wiedergegeben werden – perfekt für entspannte Hörsessions. Mit dem Fünfband-Equalizer in der App lässt sich der Klang zudem individuell anpassen.
Geräuschunterdrückung und HearTrough-Funktion
Die Geräuschunterdrückung ist brauchbar, aber nicht herausragend. Wer den Evolve3 85 für Telefonate und Konferenzen nutzt, muss auf Kurztrips durch Deutschland und Europa keinen weiteren Kopfhörer mitschleppen. Auf Mittelstreckenflügen hingegen ist die Unterdrückung von Flugzeuglärm und Gesprächen der Passagiere nicht ausreichend. Für Langstreckenflüge empfiehlt sich daher ein spezialisierteres Modell.
Die HearTrough-Funktion, die Umgebungsgeräusche an die Ohren weiterleitet, funktioniert besser. Zwar sind die Höhen in diesem Modus sehr spitz, aber man bekommt mit, worüber Kolleginnen und Kollegen reden oder wie laut die Tastatur klappert. Eine besondere Innovation ist die »Sidetone«-Funktion, die es ermöglicht, die eigene Stimme auch bei aktivierter Geräuschunterdrückung klar und deutlich zu hören, was Telefonate natürlicher wirken lässt.
Zubehör und Akkulaufzeit
Neben dem Travelcase liegen dem Evolve3 85 ein Klinkenkabel für Bordunterhaltungssysteme in Flugzeugen sowie ein USB-C-Kabel zum Aufladen und für Audioverbindungen bei. Leider ist für die Kabel kein fester Platz im Case vorgesehen, was zu Unordnung führen kann. Für den mitgelieferten Bluetooth-Adapter, den Jabra Link 390, hingegen gibt es ein eigenes Fach. Dieser kleine USB-C-Stecker ist äußerst praktisch, um Verbindungen zu fremden oder wechselnden Geräten schnell herzustellen, ohne Systemeinstellungen zu durchlaufen.
Eine optionale Zusatzfunktion für Vieltelefonierer ist das kabellose Ladepad, auf dem sich die Kopfhörer aufladen lassen. Während des Tests erwies sich dies als nicht zwingend notwendig, da die Akkulaufzeit beeindruckend ist: Jabra gibt bis zu 55 Stunden mit ANC und 120 Stunden ohne ANC beim Musikhören an. Bei Telefonaten und Konferenzen reduziert sich dieser Wert auf maximal 25 Stunden – allesamt sehr gute Werte.
Fazit: Ideal für Vieltelefonierer
Wer viel telefoniert und konferiert, wird am Evolve3 85 viel Gutes finden. Die Mikrofone sind top, die Stimmen der Gesprächspartner werden klar und deutlich wiedergegeben. Durch Funktionen wie Sidetone kann man sich selbst trotz Kopfhörer laut und deutlich hören. Für Podcasts, Musik auf dem Heimweg oder Filme auf langen Zugfahrten ist der Kopfhörer ebenfalls geeignet, solange die Klangqualität beim Telefonieren im Vordergrund steht.
Vorteile: Sehr gute Sprachqualität, sehr leicht, klein packbar.
Nachteile: Mäßige Geräuschunterdrückung.
Für die 370 bis 420 Euro, die der Evolve3 85 im Handel kostet, bekommt man auch gute Sony-Kopfhörer oder fast die erste Generation von Apples AirPods Max. Dennoch ist der Jabra eine ausgezeichnete Wahl für alle, die Wert auf professionelle Kommunikation legen.



