Historische Pokal-Überraschung: Bergischer HC bezwingt Magdeburg im Nervenkrieg
Der SC Magdeburg, frischgebackener Champions-League-Sieger und großer Favorit auf den DHB-Pokal, ist völlig unerwartet im Halbfinale gescheitert. Beim Final Four in Köln unterlag das Team von Trainer Bennet Wiegert dem Bergischen HC, der aktuell nur auf Platz 15 der Bundesliga steht, mit 3:4 im Siebenmeterwerfen. Nach einer packenden regulären Spielzeit von 60 Minuten und einer anschließenden Verlängerung hatte es 27:27 gestanden, ehe Torhüter Christopher Rudeck zum matchentscheidenden Helden avancierte.
Rudeck wird zum Siebenmeter-Killer
Das vermeintliche Traumfinale zwischen Magdeburg und den Füchsen Berlin, die zuvor TBV Lemgo Lippe mit 39:36 besiegt hatten, machte der beherzt kämpfende BHC zunichte. Christopher Rudeck parierte im entscheidenden Siebenmeterwerfen gleich zweimal, während Magdeburgs Manuel Zehnder daneben warf. Bereits während des Spiels hatte der BHC-Torhüter mit insgesamt vier gehaltenen Siebenmetern geglänzt und seinem Team immer wieder Mut gemacht.
„Mega geil“, kommentierte BHC-Profi Johannes Wasielewski die Leistung seines Teams. „Wir haben ein viel besseres emotionales Level, wir nehmen die Zuschauer besser mit als Magdeburg.“ Diese Aussage bewahrheitete sich während des gesamten Spiels, als die Bergischen unter dem Jubel ihrer Fans dem Favoriten das Leben außerordentlich schwer machten.
Magdeburgs Triple-Traum geplatzt
Für den SC Magdeburg bedeutet diese Niederlage das vorzeitige Aus im Pokalwettbewerb und das Platzen des Triple-Traums. Der Verein, der eigentlich in Liga, Pokal und Champions League den großen Wurf geplant hatte, gab den ersten der drei gewünschten Titel aus der Hand. Anders als Berlin, das gegen Lemgo zwar ebenfalls Nerven bewies, schlussendlich aber cool blieb, fand der SCM nie zu seiner gewohnten spielerischen Stärke.
Trainer Bennet Wiegert sah sein Team auf dem eigens für das Final Four aufgebauten mobilen Glasboden vergebens nach Lücken im Defensivbollwerk des BHC suchen. „Ich möchte mehr Bewegung, unser Thema ist die Offensive“, sagte Wiegert bereits in der ersten Halbzeit. Doch trotz zeitweiliger Führung gelang es den Magdeburgern nie, entscheidenden Abstand zu gewinnen.
Berlin setzt sich gegen hartnäckige Lemgoer durch
Im ersten Halbfinale hatten die Füchse Berlin den TBV Lemgo Lippe nach einer packenden zweiten Hälfte mit 39:36 besiegt. Torhüter Dejan Milosavljev wurde mit 18 Paraden zur Schlüsselfigur, während vorne neben Welthandballer Mathias Gidsel (8 Tore) besonders sein dänischer Weltmeister-Kollege Lasse Andersson mit elf Treffern als bester Schütze überzeugte.
„Das fühlt sich sehr, sehr gut an“, sagte Gidsel nach dem Spiel. „Das war ein harter Kampf, ein typisches Halbfinale. In der zweiten Halbzeit gab es eine Phase, in der nicht alles geklappt hat. Lemgo hat es unheimlich schwer für uns gemacht.“ Die Lemgoer hatten in der Schlussphase lange an einer Überraschung geschnuppert und sich als äußerst hartnäckiger Gegner erwiesen.
Finale am Sonntag: Außenseiter gegen Meister
Nun kommt es am Sonntag um 15:45 Uhr in der ARD zum Endspiel zwischen dem Bergischen HC und Meister Berlin. Für den BHC bedeutet dies bei seiner zweiten Final-Four-Teilnahme die Chance auf den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Der Traum vom großen Coup lebt für den krassen Außenseiter, der mit immensem Einsatz und einer geschlossenen Mannschaftsleistung die vermeintlich übermächtigen Magdeburger aus dem Wettbewerb warf.
Die Magdeburger hingegen müssen den vierten Pokaltriumph in ihrer Geschichte weiter aufschieben und sich auf die verbleibenden Wettbewerbe konzentrieren. Für Handball-Fans bleibt die Erinnerung an einen denkwürdigen Abend mit Überlänge, in dem der vermeintlich schwächere Verein durch puren Kampfgeist und eine herausragende Torhüterleistung Geschichte schrieb.



