KI-generierte Trump-Influencerin enttarnt: Millionen Follower folgten Fake-Profil
Was als Traumfigur für Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump begann, entpuppte sich als aufwendiger digitaler Schwindel. Die Influencerin Emily Hart, die mit nationalistischen Botschaften und konservativen Werten Millionen Follower auf Instagram begeisterte, existiert in Wirklichkeit nicht. Ihr gesamtes Profil wurde von einem 22-jährigen Medizinstudenten aus Nordindien mithilfe Künstlicher Intelligenz erschaffen.
Basecap, Bier und US-Flagge: Die perfekte Inszenierung
Emily Hart präsentierte sich als ideale Vertreterin der „Make America great again“-Bewegung: Mit Trump-Basecap vor der amerikanischen Flagge, Waffen im Schrank und Bier in der Hand beim Eisfischen. Ihre Beiträge waren durchgängig pro-christlich, pro-Waffenbesitz, gegen Abtreibung und gegen Einwanderung gerichtet. Doch hinter der vermeintlichen Blondine verbarg sich kein realer Mensch, sondern die Fantasie eines mittellosen Studenten, der dringend Geld für sein Medizinstudium benötigte.
„Das Geld floss nur so“, beschrieb der anonym als „Sam“ bekannte Student seinen überraschenden Erfolg. Nachdem das Geld seiner Eltern für die Ausbildung aufgebraucht war, kam ihm die Idee, gefälschte Bikini-Bilder an amerikanische Männer mit nationalistischen Ansichten zu verkaufen. Google's KI-System Gemini half ihm dabei, nicht nur die Bilder, sondern auch das gesamte Konzept zu entwickeln.
Minimaler Aufwand, maximaler Profit
Der angehende Orthopäde, der nach seinem Studium in die USA ziehen möchte, investierte nach eigenen Angaben nur „30 bis 50 Minuten am Tag“ in das Fake-Profil. Dennoch erreichten seine Beiträge regelmäßig Millionen Aufrufe, und die Follower-Zahlen stiegen kontinuierlich an. Später verkaufte er freizügigere KI-generierte Fotos über Bezahlplattformen und verdiente innerhalb weniger Tage mehrere Tausend US-Dollar.
Die plumpe Fälschung schien niemanden zu stören: „Ich vermute, dass einige Fans gewusst oder zumindest geahnt haben, dass Emily Hart nicht echt ist“, so der Student. Die Fantasie hinter der Figur habe den zahlenden Männern offenbar ausgereicht. Erst als der Schwindel aufflog, sperrte Instagram das Profil wegen „betrügerischer Aktivitäten“.
Medizinstudium statt Influencer-Marketing
In einem Interview mit dem renommierten Magazin „Wired“ gab der Student nun Einblick in seine ungewöhnliche Geldbeschaffungsmethode. Trotz des erfolgreichen Betrugs fühle er sich nicht wie ein Betrüger, wolle sich aber nun wieder vollständig auf sein Medizinstudium konzentrieren. Die gesparten Einnahmen reichen aus, um seine Ausbildung vorerst zu finanzieren.
Der Fall Emily Hart zeigt eindrücklich, wie leicht sich mit moderner KI-Technologie täuschend echte Online-Identitäten erschaffen lassen – und wie bereitwillig selbst offensichtliche Fälschungen von einer engagierten Community angenommen werden können.



