Am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf ist erstmals Antimaterie auf einem Lastwagen transportiert worden. Physiker Stefan Ulmer sprach von einer neuen Epoche für Präzisionsmessungen. Der erfolgreiche Transport von 92 Antiprotonen auf dem Cern-Gelände war der Höhepunkt sechsjähriger Arbeit.
Das nächste Ziel ist, in ein paar Jahren größere Mengen Antimaterie an Labore in Düsseldorf, Hannover und Heidelberg zu transportieren. Dort sollen bis zu 1.000-mal präzisere Messungen möglich sein als am Cern. Dies soll helfen, eines der größten Rätsel des Universums zu lösen: Warum es einen Überschuss an Materie gibt, obwohl beim Urknall gleich viel Materie und Antimaterie entstanden sein müssen.
Die transportable Penning-Falle wurde mit Industriekränen vorsichtig auf einen Lkw geladen. Ulmer und Christian Smorra von der Universität Düsseldorf waren angespannt. Der Lkw mit dem Banner „Antimaterie in Bewegung“ zog zwei Runden ohne Zwischenfall. Ein Schlagloch oder Zusammenstoß hätte fatal sein können, da Antiprotonen bei Kontakt mit Materie zerstrahlen.
Die Falle, in der die Antiprotonen bei minus 268 Grad schweben, ist nur wenige Zentimeter lang. Nach dem Transport bestätigte Ulmer: „Alles noch da.“ Er hatte Sekt kaltgestellt und feierte mit Dutzenden Spezialisten. „Heute beginnt eine neue Epoche“, sagte Ulmer.
Antimaterie ist das teuerste Material der Welt. Ein Gramm Antiprotonen würde mehrere Billiarden US-Dollar kosten. Gefahrenfantasien wie in Hollywoodfilmen seien wissenschaftlich nicht unterlegt, betonte Ulrich Husemann vom Desy in Hamburg. Für eine Explosion bräuchte es billionenfach mehr Antimaterie, deren Produktion mit heutigen Mitteln Milliarden Jahre dauern würde.



