Klopps Vermächtnis: AXA Training Centre prägt Liverpool
Klopps Vermächtnis: AXA Training Centre prägt Liverpool

Fast zwei Jahre nach Jürgen Klopps Abschied vom FC Liverpool ist seine Präsenz in der Stadt noch allgegenwärtig. An Häuserwänden, auf Fanartikeln und in Gesprächen mit Einheimischen führt kein Weg an „Jurgen“ vorbei, wie der Deutsche hier liebevoll genannt wird. Direkt hinter der legendären Tribüne „The Kop“ im Anfield Stadium können Fans gegen eine Gebühr von fünf Pfund ein Foto mit Nachbildungen der unter Klopp gewonnenen Trophäen vor einer Wand mit seinem Konterfei machen. „Jürgen hat uns daran erinnert, wer wir schon immer gewesen sind“, steht dort geschrieben. Die lange Warteschlange vor dem Spiel gegen Crystal Palace zeigt, dass die Klopp-Mania noch lange nicht vorbei ist.

Das AXA Training Centre: Klopps handfestes Vermächtnis

Doch Klopps Vermächtnis ist nicht nur emotionaler Natur. Er hinterließ dem Verein auch ein imposantes Bauwerk: das AXA Training Centre in Kirkby. SPORT1 hatte im Rahmen einer Pressereise die seltene Gelegenheit, hinter die Kulissen zu blicken. Schon bei der Ankunft wird deutlich, wie sehr Klopp die Anlage geprägt hat. Tourguide Gary zeigt stolz ein Foto mit dem Ex-Trainer auf seinem Handy. Klopp hatte nach seiner Ankunft in Liverpool kritisiert, dass die Jugendmannschaften und die Profis in getrennten Anlagen trainierten. Während der Nachwuchs bereits in Kirkby war, trainierte die erste Mannschaft im Melwood Training Centre. Da dort kein Platz für Erweiterungen war und es zudem einen kuriosen Standortnachteil gab – Nachbarn konnten von ihren Häusern aus die Trainingsplätze einsehen – wurde beschlossen, die Profis zu den Jugendteams umzusiedeln. Seit der Fertigstellung des Umbaus 2020 ist Kirkby die Heimat aller Teams von der U8 bis zu den Profis.

Ein Ort der Inspiration und Historie

Schon im Eingangsbereich der Profis und der U21 wird die Vereinsgeschichte lebendig: Ein rund 100 Quadratmeter großes Relief der „Kop“-Tribüne ziert die Wand, dazu ein Banner mit dem Spruch: „Liverpool wurde für mich gemacht und ich wurde für Liverpool gemacht.“ Klub-Legende Ian Rush war beim ersten Besuch beeindruckt: „Wer hier steht, will mehr über die Geschichte von Liverpool erfahren – und je mehr die Spieler darüber wissen, desto mehr werden sie bei Liverpool unterschreiben wollen.“ Die Historie begegnet einem an vielen Stellen und soll die Talente motivieren, den Sprung zu den Profis zu schaffen.

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Durchdachtes Konzept: Vom U8-Platz bis zu den Profis

Von der großen Südterrasse aus blickt man auf eine endlose Reihe von Fußballplätzen. Die Anordnung der neun Trainingsfelder folgt einem simplen Prinzip: Die U8 trainiert auf dem am weitesten entfernten Platz, mit jeder Altersklasse rücken die Talente dem Profi-Gebäude näher. Klopp soll oft hier oben gestanden und den Jugendlichen zugeschaut haben. „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Nachwuchsspieler und Jürgen Klopp schaut Ihnen beim Training zu – das ist eine unheimliche Motivation“, sagt Gary. Der Sprung zu den Profis gelingt jedoch nur wenigen. Trent Alexander-Arnold, der als Sechsjähriger zu den Reds kam und alle Jugendteams durchlief, ist die Ausnahme. Die meisten landen später in unteren Ligen.

Gemeinsame Trainingshalle als Motivationsspritze

Wer es bis in die U21 schafft, profitiert von einer erstklassigen Betreuung: Frühstücksbuffet mit Ernährungsplänen, Aufenthaltsräume mit Dart und Schach, eine kleine Tribüne vor einem riesigen Bildschirm zum gemeinsamen Fußballschauen. Überall gibt es Hinweise auf die Vereinsgeschichte: Trophäen, Bilder, Schriftzüge wie „We are Liverpool“. Die ultimative Motivationsspritze ist die gemeinsame Trainingshalle von U21 und Profis im Zentrum des Komplexes. Hier treffen die Spieler beider Teams beim Individualtraining, in der Reha oder am Basketballkorb aufeinander. „Know you can“ steht über der Tür zum Nachwuchsbereich – „Wisse, dass du es kannst.“

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Perfektion bis ins Detail

Im Profibereich warten noch mehr Annehmlichkeiten: Schwimmbecken, Hydrotherapie, Reha-Möglichkeiten, TV-Studios, Büros, Padel-Plätze und eine Kaffeebar. Die vier Trainingsplätze, darunter ein verkürztes Feld für Torhüter, werden von sage und schreibe 13 Greenkeepern gepflegt. Sieben weitere sind für das Anfield Stadium zuständig. Gary erzählt eine Anekdote: Ein Greenkeeper begutachtete eine spezielle Stelle im Stadionrasen, um sie auf dem Trainingsplatz nachzubilden. Auch Anti-Spionage-Maßnahmen wurden ergriffen: Eine benachbarte Fabrikhalle durfte keine hochgelegenen Fenster in Richtung Trainingsgelände haben, um unerwünschte Beobachter zu verhindern – eine Lehre aus dem alten Melwood.

Sehnsucht nach Klopp

Liverpool-Fans sehnen sich immer noch nach Klopp. Uber-Fahrer Antony, der in der Nähe von Anfield aufgewachsen ist, hofft auf eine Rückkehr: „Ich glaube daran, dass es eine kleine, winzig kleine Mini-Chance gibt, dass er zurückkommt. Er besitzt schließlich noch ein Haus in Liverpool.“ Die Sehnsucht nach Klopp ist Teil der Identität des Klubs und der Stadt, die ihre Helden besonders verehrt. Rund um Anfield erinnern zahlreiche Wandbilder an große Spieler – und natürlich auch an Jürgen Klopp. Auf einer Mauer hinter „The Kop“ und an der Ecke Randolph Street/Burnand Street leuchten seine Zähne, die rechte Hand zur Siegerfaust geballt, daneben das Wort „BOSS“. Es sind die sichtbarsten Überbleibsel von Klopps Vermächtnis: ein riesiges Wandbild hier und da – und ein ganzes Trainingszentrum, das noch lange die Zukunft des FC Liverpool prägen wird.