Vor 50 Jahren schrieb die DDR im ewigen Eis Wissenschaftsgeschichte: Die Georg-Forster-Station, die erste deutsche Antarktisstation, ging am 21. April 1976 in Betrieb. Der Forschungsstützpunkt in der Schirmacher-Oase war ein ganzjährig besetzter Außenposten in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde.
Ein DDR-Projekt am Ende der Welt
Für die DDR war die Station ein wissenschaftlicher und logistischer Kraftakt. In der Antarktis, nahe der sowjetischen Nowolasarewskaja-Station, wurde innerhalb kurzer Zeit eine funktionierende Basis aufgebaut. Die Station diente als Ausgangspunkt für Forschungen zur Hochatmosphäre, Geophysik, Meteorologie und später für international beachtete Ozonmessungen. Die Anlage bestand aus zehn Wohn- und Arbeitscontainern, einer Dieselgeneratorstation, einer Funkstation und einer geomagnetischen Registrierstation. In der Sommersaison konnten dort bis zu 15 Wissenschaftler und Techniker arbeiten. Aus Brandschutzgründen standen die Container nicht dicht nebeneinander.
Forschung mit großer Wirkung
Zunächst konzentrierte sich die Arbeit auf die Erforschung der polaren Hochatmosphäre. Später kamen geophysikalische, geologische, glaziologische und meteorologische Untersuchungen hinzu. Die Station war ein wichtiger Baustein der DDR-Polarforschung und die logistische Basis für Expeditionen im zentralen Königin-Maud-Land. Besonders bedeutend wurden die Arbeiten ab 1985, als die Erforschung des Ozonlochs in den Mittelpunkt rückte. Mit ballongetragenen Messungen lieferte die Station wichtige Daten über Entwicklung und Ausdehnung des Ozonabbaus in der antarktischen Stratosphäre. Diese Ergebnisse fanden weit über die DDR hinaus Anerkennung.
Der Name kam erst 1987
Ihren bekannten Namen erhielt die Station erst elf Jahre nach der Inbetriebnahme. 1987 wurde sie nach dem Naturforscher Georg Forster benannt, der 1775 als erster Deutscher antarktischen Boden betrat. Mit der Umbenennung wurde der Standort politisch und wissenschaftlich sichtbarer. Die DDR war zwar schon seit den 1950er Jahren über sowjetische Expeditionen in der Antarktis aktiv, doch die benannte Station machte den ostdeutschen Beitrag greifbarer. Sogar eine Sonderbriefmarke erschien 1988, dazu kam ein eigener Sonderstempel.
Wendezeit fern der Heimat
Die Geschichte der Station ist auch deshalb spannend, weil sie von den Umbrüchen in Deutschland direkt berührt wurde. Während in der Heimat die DDR zerfiel, arbeiteten Forscher und Techniker weiterhin unter Extrembedingungen im ewigen Eis. Die politischen Veränderungen drangen nur per Funk bis zur Station vor. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Antarktisforschung neu organisiert. Die Station bestand zunächst weiter, nun unter gesamtdeutschen Strukturen. Der wissenschaftliche Betrieb endete schließlich im Februar 1993.
Rückbau statt Ruine im Eis
Bemerkenswert war auch das Ende der Station. Sie wurde nicht einfach dem Verfall überlassen. Zwischen 1993 und 1996 wurde sie vollständig demontiert. Container, Technik, Schrott und Müll wurden abtransportiert, das Gebiet aufgeräumt. Insgesamt wurden rund 1000 Tonnen Material aus der Region entfernt. Das deutsch-russische Entsorgungsprojekt galt als herausragender Beitrag zum Umweltschutz in der Antarktis. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Station; er steht als geschütztes Denkmal unter dem Antarktis-Vertrag.
Ein kleines Stück große Geschichte
Die Georg-Forster-Station existierte nur 17 Jahre im wissenschaftlichen Betrieb, doch ihre Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Sie war die erste deutsche Antarktisstation, ein Symbol ostdeutscher Forschungskraft und ein Ort, an dem wichtige Erkenntnisse über die Atmosphäre der Erde gewonnen wurden.



