Doping-Experte Sörgel: Sawes Rekord ist realistisch
Doping-Experte Sörgel: Sawes Rekord ist realistisch

Der Wissenschaftler Fritz Sörgel hält den neuen Marathon-Weltrekord des Kenianers Sabastian Sawe für realistisch. Trotz aufkommender Zweifel sieht der Doping-Experte keine Anzeichen für Betrug. „Wenn ich diese Zeit sehe, stehe ich sprachlos davor. Aber ich sage auch ganz klar: Im jetzigen Stadium sind keine Zweifel angebracht, weil ich mir diese Leistung erklären kann“, sagte Sörgel dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Sawe durchbricht die Zwei-Stunden-Marke

Sabastian Sawe lief am Sonntag in London eine Zeit von 1:59:30 Stunden und unterbot damit als erster Läufer in einem offiziellen Wettkampf die magische Grenze von zwei Stunden. Der 31-Jährige verbesserte den bisherigen Weltrekord seines Landsmanns Kelvin Kiptum aus dem Jahr 2023 um beeindruckende 65 Sekunden. Sein Trainer Claudio Berardelli führte die Leistung auf mehrere Faktoren zurück: ein hohes Trainingspensum, die ultraleichten „Superschuhe“ Adidas Pro Evo 3 mit einem Gewicht von unter 100 Gramm, ein spezielles Kohlenhydrat-Gel sowie den Verzehr von Honigbroten zum Frühstück vor dem Rennen.

Sörgel relativiert die Honigbrot-These

„Die Erklärung mit Honigbroten ist natürlich Quatsch, das wäre mir jedenfalls vollkommen neu“, sagte Sörgel. Dennoch verwies der Nürnberger Pharmakologe auf jahrzehntelange Forschung und Fortschritte in verschiedenen Bereichen: „Die Trainingsmethoden sind ausgefeilt, die Technik hat sich massiv verbessert, und auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Zudem ist die Physiologie und die Anatomie in bestimmten Herkunftsländern, aus denen diese fantastischen Leistungen kommen, sowie das perfekte Zusammenwirken des Sehnen- und Muskelapparates anders.“ Als „bestes Beispiel“ nannte Sörgel den 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. „Die ganze Abstimmung hat sehr gut funktioniert bei ihm im Körper. Bis heute wurde bei ihm nichts gefunden. Auch in Nachproben, die heutzutage möglich sind, nicht.“

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Historischer Vergleich mit Abebe Bikila

Sörgel zog zudem einen Vergleich zu Abebe Bikila aus Äthiopien, der am 10. September 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom mit einer Zeit von 2:15 Stunden einen neuen Marathon-Weltrekord aufstellte – und damals barfuß lief. „Jetzt, über 65 Jahre später, wurde die Zeit um eine gute Viertelstunde verbessert. Das halte ich für realistisch“, sagte Sörgel.

Einschränkungen und Dopingkontrollen

Der Wissenschaftler schränkte jedoch ein: „Wir haben so viele Sportler bewundert und an sie geglaubt – und sind dann enttäuscht worden. Epo ist sicherlich die erste Substanz, die mir in den Sinn kommt, mit der man solche Rekorde erreichen kann. Dopingkontrollen in Ostafrika – ich will es vorsichtig sagen – sind nicht auf dem Niveau, wie wir sie kennen. Andererseits sind die Kontrollen in westlichen Ländern bei Läufen wie in Berlin oder London sehr engmaschig. Sabastian Sawe wurde noch nie positiv getestet, das ist Fakt.“

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