Der Kampf, der Axel Schulz den verdienten Sieg raubte
Am 22. April 1995, genau vor 31 Jahren, bestritt Axel Schulz seinen berühmtesten Kampf gegen die Boxlegende George Foreman. Was als einfaches Aufwärmspiel für Foreman geplant war, entwickelte sich zu einem der umstrittensten Duellen der Boxgeschichte – und endete mit einer fragwürdigen Punktentscheidung, die den deutschen Schwergewichtler um seinen größten Triumph brachte.
Ein Taxifahrer erkennt die Ungerechtigkeit sofort
Schon unmittelbar nach dem Kampf zeigte sich, dass die öffentliche Meinung klar auf Schulz' Seite stand. „Axel, du wurdest grad betrogen, du brauchst nüscht bezahlen“, sagte ihm der Taxifahrer, der ihn kostenlos von der Arena zu seinen Freunden fuhr. Diese spontane Geste war nur der Anfang einer breiten Sympathiewelle, die den Boxer aus Bad Saarow über Nacht zum Liebling der deutschen Sportnation machte.
Schulz selbst blickt heute ohne Bitterkeit auf die Ereignisse zurück. „Ick hab ihn halt nicht umgehauen“, sagte er 2020 im Gespräch mit SPORT1 in seinem unverwechselbaren Brandenburg-Dialekt. Doch hinter dieser scheinbaren Gelassenheit verbirgt sich eine Geschichte von finanziellen Interessen und sportlicher Ungerechtigkeit.
Die fragwürdigen Vorbereitungen zum Kampf
Die Ansetzung des Kampfes war von Beginn an von Unregelmäßigkeiten geprägt. George Foreman und sein Promoter Bob Arum hatten Schulz offensichtlich als leichten Gegner eingeplant, um Foremans Comeback-Story nach seiner sensationellen Rückkehr aus dem Ruhestand fortzusetzen. Der damals 45-jährige Foreman hatte sich gerade zum ältesten Schwergewichtsweltmeister der Geschichte gekrönt und träumte bereits vom nächsten Mega-Fight gegen Mike Tyson.
Doch Schulz fand sich nicht in den Ranglisten der Verbände WBA und IBF, deren Titel Foreman hielt. Während die WBA Foreman den Titel aberkannte, weil er seinen Pflichtherausforderer ignorierte, bewilligte die IBF den Kampf mit Schulz – gegen Zahlung von 350.000 Dollar Bestechungsgeld, wie Arum später vor Gericht zugab.
Der Kampfverlauf und die skandalöse Entscheidung
Im Ring zeigte sich schnell, dass die Einschätzung von Foremans Lager falsch war. Unter der Anleitung seines Trainers Manfred Wolke bereitete sich Schulz hervorragend vor und dominierte den Altmeister über weite Strecken des Kampfes. Schulz wich Foremans Schlägen geschickt aus, punktete aus der Halbdistanz und brachte den Champion in der letzten Runde sogar mit einer Viererkombination bedrohlich ins Wanken.
Doch die Punktrichter sahen das anders: Mit 115:113, 114:114 und 115:113 wurde Foreman zum Sieger erklärt. Harold Lederman, der erfahrene Analyst des US-Senders HBO, sah Schulz dagegen klar vorne mit 117:111. Die Diskrepanz war offensichtlich und für viele Zuschauer skandalös.
Finanzielle Interessen über sportliche Gerechtigkeit
Schulz erkannte schnell, welche Mechanismen hier wirkten. „Ich hab 500.000 Mark Kampfbörse bekommen, er 10 Millionen. Beim nächsten wären es wohl 20 Millionen gewesen“, analysierte er die Situation. Die finanziellen Interessen waren enorm: Foremans nächstes Duell hätte Millionen eingebracht, und auch der Verband profitiert von hohen Kampfbörsen.
Die IBF forderte schließlich einen Rückkampf, doch Foreman weigerte sich und verlor stattdessen am 29. Juni 1995 seinen Titel. Schulz bekam seine nächste Titelchance gegen Francois Botha – und verlor erneut unter umstrittenen Umständen.
Die langfristigen Folgen für beide Boxer
Obwohl ihm der sportliche Ruhm verwehrt blieb, wurde Schulz durch seinen Kampf gegen Foreman in Deutschland zu einem Publikumsmagneten. Sein Duell mit Botha sahen bei RTL über 18 Millionen Zuschauer – ein Quotenrekord, der bis heute Bestand hat. Seine sympathische Ausstrahlung machte ihn zudem zum gefragten TV-Promi und Werbeträger.
George Foreman beendete 1997 seine Karriere nach einer Niederlage gegen Shannon Briggs und wurde stattdessen als Grill-Verkäufer berühmt. Die beiden Boxer blieben über die Jahre verbunden und trafen sich immer wieder bei Experteneinsätzen in den USA.
Ein geplantes Wiedersehen, das nie stattfand
Zum 25. und 30. Jubiläum ihres Kampfes waren Wiedersehen geplant, die jedoch nie zustande kamen. „Die Flüge waren gebucht“, erinnerte sich Schulz, „aber Corona kam dazwischen.“ Als Foreman am 21. März 2025 im Alter von 76 Jahren verstarb, war gerade ein weiteres Treffen für das Fernsehen in Planung.
Schulz erinnert sich an Foreman als respektvollen Gegner: „Er hatte immer ein Lächeln auf den Lippen, war immer respektvoll, nie diese bösen Worte.“ Noch vor seinem Tod soll Foreman zu Schulz gesagt haben: „Du hättest mich halt K.o. schlagen müssen.“
Heute, mit 57 Jahren, hat Schulz seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht. „Ich hab immer alles gemacht, was ich konnte“, resümiert er seine Karriere, die 1999 mit einer Niederlage gegen Wladimir Klitschko endete. Sein Kampf gegen George Foreman bleibt dennoch als Beispiel für die Schattenseiten des Profiboxens in Erinnerung – und als Beweis für Schulz' sportliche Klasse, die an jenem Abend vor 31 Jahren die ganze Welt hätte sehen sollen.



