Nach dem enttäuschenden Vorrundenaus bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat Uruguays Trainer Marcelo Bielsa eine schonungslose Selbstkritik geübt. „Was ich Uruguays Fußball gegeben habe, ist nichts“, sagte der 70-jährige Argentinier und fügte hinzu: „Wenn sie mich fragen, wie man sich an mich erinnert, dann als jemand, der nichts erreicht hat.“ Das Team, das einst als erster Weltmeister und nun als Mitgastgeber der kommenden WM angetreten war, schied mit nur zwei Punkten aus und belegte hinter Kap Verde den letzten Platz in der Gruppe.
Torwart Muslera bittet um Vergebung
Torwart Fernando Muslera, 40 Jahre alt und mit über 150 Länderspielen eine Ikone, warf sich nach dem 0:1 gegen Spanien öffentlich in die Bresche. „Ich möchte meine Mitspieler und alle Uruguayer um Verzeihung bitten“, sagte er sichtlich emotional. Beim Gegentor durch Álex Baena wirkte Muslera unglücklich, bei allen drei Treffern der Spanier war er beteiligt. Er selbst bat um seine Auswechslung, nachdem er den Tiefpunkt seiner WM-Karriere erlebt hatte. „Ich hätte mir nie vorstellen können, wegen dieses Sports so sehr zu leiden“, gestand er.
Heimische Medien urteilen hart
Die uruguayische Presse zeigte sich schonungslos. „Uruguay ist die Enttäuschung Südamerikas“, schrieb „El País“. „Ein Realitätsschock nach einem Traum, der in Frustration endete“, urteilte „El Observador“. „Was für ein Reinfall“, spottete „El Diaria“, und das Montevideo Portal titelte: „Die Chronik eines angekündigten Todes.“ Die einstige Fußballgröße, Heimat von Stars wie Diego Forlan, Enzo Francescoli und Edinson Cavani, war auf dem Platz nicht wiederzuerkennen.
Zerwürfnis zwischen Trainer und Team
Das Verhältnis zwischen Bielsa und der Mannschaft gilt als zerrüttet. Als er Kapitän Fede Valverde vom Platz nahm, ignorierten sich beide. Der Real-Profi sprach auf der Bank mit Mitspielern und hielt sich das Trikot vor den Mund. Die spanische Zeitung „Sport“ schrieb: „Rache ist ein kalter Genuss! Das hat Marcelo Bielsa im Spiel gegen Spanien unter Beweis gestellt.“ Berichten zufolge reagierte Bielsa mit Personalentscheidungen auf eine Meuterei von Teilen des Teams gegen seine Trainingsmethoden. „Wir haben nur zwei Punkte geholt. Das zeigt meine Leistung als Manager. Ich habe das Potenzial der Spieler nicht abrufen können“, räumte er ein.
Bielsa: Ein umstrittener Trainer
Bielsa, der seit Mai 2023 im Amt ist, hat bereits mehrfach Konflikte mit Spielern gehabt. Torjäger-Legende Luis Suárez, 39, zoffte sich öffentlich mit ihm. Bielsa selbst soll sich als „toxisch“ bezeichnet haben und wird „El Loco“ (Der Verrückte) genannt. Seine Karriere umfasst Stationen als Nationaltrainer Argentiniens (1998–2004) und Chiles (2007–2011) sowie als Vereinscoach in Bilbao, Marseille und Leeds. Nach diesem WM-Desaster dürfte seine Zeit in Uruguay beendet sein.
Spieler klartext: „Absolut beschissene Realität“
Abwehrspieler José María Giménez zeigte sich tief getroffen: „Es ist eine absolut beschissene, harte und traurige Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Es gab kein einziges Gesicht in der Kabine, das nicht traurig und angeschlagen aussah. Es ist die Traurigkeit von uns allen und ganz Uruguay.“ Das Team reist mit leeren Händen nach Hause, während die Kritik an Bielsa und der Mannschaft anhält.



