Am Samstag trifft der FC Bayern München auf den 1. FC Heidenheim. Vor dem Duell spricht Heidenheim-Boss Holger Sanwald im Interview über die Partnerschaft mit den Münchnern und die Hilfe für die krebskranke Freundin von Eren Dinkci.
Erwartungen an das Spiel gegen Bayern
Herr Sanwald, Ihre Mannschaft trifft am Samstag auf den FC Bayern. Was erwarten Sie für ein Spiel?
Holger Sanwald: Wir treten in der Bundesliga auswärts in der Allianz Arena das dritte Jahr in Folge an – das ist für den 1. FC Heidenheim 1846 nach wie vor etwas ganz Besonderes. Ich erwarte ein Spiel, in dem wir als krasser Außenseiter unsere DNA auf den Platz bringen müssen und uns gegen einen übermächtigen Gegner wehren wollen: Leidenschaft, Laufbereitschaft, aber auch Mut werden gefordert sein. Dass Bayern die individuelle Klasse hat, jeden Gegner in der Bundesliga deutlich zu dominieren, ist klar, aber wir wollen es ihnen so schwer wie möglich machen.
Fokussierte Bayern trotz Champions League
Sehen Sie es als Vorteil, dass die Bayern das wichtige Halbfinalrückspiel gegen Paris Saint-Germain im Hinterkopf haben werden?
Sanwald: Der FC Bayern hat einen Kader mit einer unglaublichen Tiefe und Qualität. Jeder Spieler ist es gewohnt, alle drei Tage auf Top-Niveau abzuliefern. Wir wären schlecht beraten, darauf zu hoffen, dass sie nicht fokussiert sind. Das werden sie definitiv sein – ganz unabhängig davon, dass für sie am Mittwoch gegen PSG in der Champions League der bisherige Höhepunkt dieser Saison wartet.
Abstiegskampf und Highlight-Spiele
Der Abstieg von Heidenheim in die 2. Bundesliga könnte besiegelt werden. Woran fehlt es in dieser Saison und werden Sie diese Highlight-Spiele vermissen?
Sanwald: Zunächst einmal: Solange es rechnerisch möglich ist, kämpfen wir mit allem, was wir haben. Das ist auch Teil unserer DNA und das sind wir unseren Fans auch schuldig, die uns so fantastisch unterstützen. Aber klar: Uns haben in dieser Saison – sowohl offensiv als auch defensiv – in vielen Spielen Kleinigkeiten gefehlt, um uns für die letzten drei Spieltage in eine deutlich bessere Ausgangssituation im Kampf um den Klassenerhalt zu bringen. Für ein Fazit ist es aber noch zu früh!
Erfolgsgeheimnis von Heidenheim
Heidenheim galt die letzten drei Jahre als Gallien der Bundesliga, die es mit einem niedrigen Budget bis in die Conference League schafften. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Sanwald: Es ist kein Geheimnis, aber wir gehen unseren Weg seit vielen Jahren eben sehr konsequent. Dieser ist geprägt von besonderem Zusammenhalt, Kontinuität, harter Arbeit und dem gegenseitigen Vertrauen der handelnden Personen in unserem Verein. Wir verfallen nicht in Hektik, auch wenn es mal sportlich nicht läuft. Wir haben eine klare Identität und setzen auf Spieler, die charakterlich zu uns passen und bereit sind, sich für unseren FCH auf dem Platz aufzuopfern. Dass wir es auf unserer Reise von der Landesliga bis in den Europapokal geschafft haben, hat natürlich niemand für möglich gehalten.
Leihpartnerschaft mit Bayern
Die Bayern haben sich als guter Leihklubpartner bewiesen. Will Heidenheim bei einem möglichen Abstieg daran festhalten?
Sanwald: Wir haben ein gutes Verhältnis zum FC Bayern. Leihgeschäfte wie etwa bei Paul Wanner, Frans Krätzig oder aktuell Arijon Ibrahimovic haben gezeigt, dass beide Seiten profitieren können: Junge Bayern-Talente bekommen bei uns wertvolle Spielpraxis auf hohem Niveau und wir erhalten Qualität für unseren Kader, die sonst für uns nicht finanzierbar wäre. Unabhängig von unserer Ligazugehörigkeit ist das ein Modell zwischen beiden Vereinen, das sich in den letzten Jahren bewährt hat.
Unterstützung für Dinkci und seine Freundin
Der 1. FC Heidenheim ist ein sehr familiärer Klub. Jüngst wurde bekannt, dass die Freundin von Eren Dinkci an Krebs erkrankt ist. Wie sehr hat Sie diese Nachricht getroffen?
Sanwald: Diese Nachricht hat uns alle im Verein tief erschüttert und rückt den Fußball komplett in den Hintergrund. In solchen Momenten spürt man aber, dass wir eine große FCH Familie sind und dieser Zusammenhalt im Verein gerade in solchen Situationen gelebt wird.
Wie unterstützen Sie die beiden persönlich in dieser schweren Phase?
Sanwald: Wir haben Eren und seiner Partnerin Cinja sofort signalisiert, dass sie jede Unterstützung bekommen, die wir als FCH leisten können. Der Fußball hat eine enorme Reichweite und damit auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir haben in der Vergangenheit bereits DKMS-Typisierungsaktionen unterstützt und das zuletzt beim Auswärtsspiel in Freiburg sowie vergangenes Wochenende gegen St. Pauli erneut getan. Insgesamt sind über diese beiden Aktionen und online mehr als 2.500 Menschen hinzugekommen, die sich neu für eine Stammzellenspende haben registrieren lassen. Durch seine Aufmerksamkeit kann der Profifußball dazu beitragen, dass sich mehr Menschen als Spender registrieren lassen – sei es bei der DKMS oder anderen Organisationen. So können wir Cinja und anderen betroffenen Menschen am besten helfen. Umso mehr freut es uns, dass auch der FC Bayern beim Spiel am Samstag eine DKMS-Aktion an der Allianz Arena durchführen wird!



