Iranisches Länderspiel in Antalya: Stummer Protest mit Schulranzen gegen Kriegsopfer
Das iranische Fußballnationalteam hat sein erstes Länderspiel seit Beginn des Krieges im Nahen Osten mit einer bewegenden Protestaktion begleitet. Beim Einlaufen zur Partie gegen Nigeria hielten die Spieler Schulranzen in den Händen – ein stilles, aber eindringliches Zeichen gegen die Opfer des Konflikts.
1:2-Niederlage im leeren Stadion von Antalya
Sportlich endete die Begegnung mit einer 1:2-Niederlage des Iran. Ursprünglich sollte das Spiel in Jordanien stattfinden, wurde jedoch kurzfristig in das türkische Antalya verlegt. Dort blieb das Stadion auf Anweisung des Verbandes leer, da politische Proteste von in der Türkei lebenden Iranern befürchtet wurden.
Der Hintergrund des Schulranzen-Protests ist ein verheerender Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Iran Ende Februar. Bei diesem Angriff kamen laut Berichten mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sowie 26 Lehrerinnen und vier Eltern ums Leben. Medienberichten zufolge sollen US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich sein.
Kriegsgeschehen rückt Sport in den Hintergrund
Seit dem 28. Februar greifen die USA und Israel den Iran aus der Luft an. Der Iran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in anderen Staaten der Region. „Es ist im Moment egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Entscheidend ist, dass die Spieler zeigen, dass sie ihr Land lieben und für den Iran stehen“, sagte Verbandsfunktionär Mirschad Madschedi im Staatssender IRIB.
Auch personell gab es auffällige Entscheidungen. Mit Sardar Azmoun fehlte ein prominenter Name im Kader – der frühere Leverkusener Spieler war ebenso wie Mehdi Ghaedi nach kritischen Äußerungen nicht berücksichtigt worden.
Ungewisse WM-Teilnahme des Iran
Eigentlich waren die Spiele gegen Nigeria und Costa Rica als Testspiele für die anstehende Weltmeisterschaft eingeplant. Doch ob der Iran im Sommer überhaupt teilnehmen kann, ist angesichts der aktuellen Lage weiterhin unklar. Der Iran hat seinen Nationalmannschaften verboten, in Länder zu reisen, die als „feindlich“ gelten. Alle drei Vorrundenspiele finden ausgerechnet in den USA statt.
Die politische Dimension des Konflikts hat damit den sportlichen Aspekt des Länderspiels vollständig überlagert. Der stumme Protest mit den Schulranzen bleibt als starkes Symbolbild in Erinnerung – ein Zeichen gegen die menschlichen Kosten eines Krieges, der sich immer weiter ausbreitet.



