Buckelwal Timmy: Heute entscheidet sich seine Rettung
Buckelwal Timmy: Rettungsversuch heute

Heute soll Timmys Weg nach Hause starten: Der Tag der Rettung. Buckelwal Timmy liegt seit 28 Tagen auf einer Sandbank vor Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als vier Wochen Hoffnung, Rückschläge, Drama und Diskussionen liegen hinter den Helfern. Heute soll sich entscheiden, ob der Wal zurück ins offene Meer kann – oder ob die Rettungsmission scheitert.

Der entscheidende Versuch

Am Dienstagmorgen um 7 Uhr soll Timmy seine Reise nach Hause starten. Dann beginnt der riskanteste Moment der gesamten Aktion: Der geschwächte Wal soll in eine Mega-Barge verladen werden, die ihn mehr als 400 Kilometer weit Richtung Nordsee bringen soll. Die Verladung ist kompliziert und birgt viele Gefahren.

Ablauf der Verladung

Über eine mehr als 100 Meter lange Rinne soll Timmy schwimmend in das abgesenkte Stahlbecken der Barge gelangen. Anders als ursprünglich geplant wird dabei keine Netzplane mehr eingesetzt. Stattdessen soll ein breiter, flexibler Gurt unter der Brust des Wals entlanggeführt und hinter seinen Flippern, den Brustflossen, um ihn gelegt werden. So soll Timmy kontrolliert vorwärts in die Barge gezogen werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Mehrere Helfer sollen den Gurt auf beiden Seiten führen. Gerät der Wal in Panik, kann eine Seite sofort losgelassen werden. Wichtig ist, dass Timmy nicht über den Sand geschleift wird, sondern in der gebaggerten Fahrrinne schwimmend bewegt wird. Der kritischste Augenblick bleibt das Anlegen des Gurts. Buckelwale können kräftig gegenarbeiten. Sollte Timmy stark reagieren, wird das Manöver zur Kraftprobe.

Gesundheit schwankt – Zeitdruck wächst

Die Lage ist angespannt. Noch am Vortag sprach Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies von einer flacheren Atmung. Kurze Zeit später folgte eine Entwarnung, laut Experten ginge es Timmy besser. Der Zustand des Wals schwankt. Er hat deutlich Gewicht verloren, wird aber weiterhin als transportfähig eingeschätzt.

Gleichzeitig läuft die Uhr. Die DLRG will am Mittwoch abreisen. Sollte der Versuch heute scheitern, ist offen, wie es weitergeht. Timmy war Anfang März erstmals in der Ostsee aufgetaucht. Fünfmal lag er in flachem Wasser fest. Seit mehr als 50 Tagen kämpft er nun in der Ostsee. Heute entscheidet sich, ob er die Kraft für den Weg zurück ins offene Meer noch hat.

Vier Wochen Streit, Drama und Egos

Die Rettungsaktion war von Beginn an mehr als nur eine Tierbergung, sondern ein Drama in mehreren Akten. Eine Tierärztin, eigens aus Hawaii eingeflogen, stieg nach kurzer Zeit wieder aus. Jenna Wallace warf Beteiligten vor, Selbstdarstellung über das Wohl des Wals zu stellen. Eine andere Tierärztin erlitt während des Einsatzes einen medizinischen Notfall und lag im Koma, was aber weder am Wal noch an den Helfern lag. Und zwischendurch tauchte auch noch ein Ex-Hells-Angels-Rocker im Neoprenanzug unter den Helfern auf. Am Ende sollte es Kleintierärztin Dr. Kirsten Tönnies richten, die noch nie zuvor mit Meeressäugern gearbeitet hatte.

Viele renommierte Meeresbiologen empfahlen derweil etwas deutlich Unaufgeregteres: den Wal in Ruhe zu lassen. Der anhaltende Trubel, die Boote, Kameras und Eingriffe bedeuteten für ein vermutlich schwer erkranktes Wildtier massiven Stress. Das deutsche Meeresmuseum samt seiner Experten stieg aus dem Projekt aus, nachdem die private Rettungsinitiative zweier Millionäre einstieg, und ist sich bis heute sicher, dass die Rettungsaktion dem Wal mehr schadet als nützt.

Und dann war da noch Robert Marc Lehmann. Der Influencer mit Millionen Followern trat früh als Wal-Experte auf – samt Social-Media-Begleitung in Echtzeit. Storys vom Einsatz, Videos vom Wal, starke Statements für die Community. Er legte dem Wal die Hand auf und schaute ihm tief in die Augen. Später erklärte er wütend, vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung wegen Selbstdarstellung ausgeschlossen worden zu sein. Seine Prognosen zur Lage von Timmy erwiesen sich laut örtlichen Verantwortlichen durchgehend als falsch. Seine wissenschaftliche Spezialisierung auf Meeressäuger ist nicht belegt – die mediale Präsenz und sein großes Ego hingegen schon.

Geblieben ist vor allem eines: enorme Aufmerksamkeit. Und die Frage, wem sie eigentlich mehr nützte – dem Wal oder den Beteiligten. Vier Wochen Ausnahmezustand. Viel Idealismus. Viel Inszenierung. Viel Streit. Heute entscheidet sich, ob all das am Ende doch für etwas gut war.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration