Hooligan-Skandal in Dresden: Hertha-Chaoten zerstörten Trennwand mit Spezial-Hammer
Beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC kam es am Samstagabend zu schweren Ausschreitungen, die als einer der schlimmsten Vorfälle im deutschen Fußball seit Langem gelten. Die Ereignisse überschatteten eine Schweigeminute für die verstorbene Dynamo-Legende Hansi Kreische und führten zu einer 20-minütigen Spielunterbrechung.
Gestohlene Fahne als Auslöser für Eskalation
Die Gewalt eskalierte, nachdem Dynamo-Fans im K-Block eine gestohlene Hertha-Fahne falsch herum aufgehängt hatten – in der Ultra-Szene eine scharfe Provokation. Daraufhin sprangen Hertha-Ultras von der Tribüne in den Innenraum des Stadions. Diese Reaktion folgte einem Ultra-„Gesetz“, das den Verlust der Hauptfahne einer Fan-Gruppierung als schweren Angriff wertet, der sogar zur Auflösung der Gruppe führen kann.
Vorgeschichte aus Berliner Hinspiel
Die Aggressionen wurden durch die Rivalität der Fanlager verstärkt, die bereits im Hinspiel im Berliner Olympiastadion aufeinander losgegangen waren. Zudem hatten KSC-Fans, die mit Hertha eine enge Fanfreundschaft pflegen, im März Dynamo mit gestohlenen Fanartikeln provoziert. In Dresden verließen daraufhin etwa 60 Dynamo-Fans ihren Block, um die eigenen Anhänger zu verteidigen, was zu weiteren Prügeleien und dem Einsatz von Feuerwerkskörpern führte.
Fehler bei Sicherheitsvorkehrungen
Die verheerenden Szenen waren auch Folge von Sicherheitslücken. Hertha-Fans hatten sich nicht nur im geschützten Gästeblock platziert, sondern auch im benachbarten Sitzplatz-Bereich. Sie beschädigten eine Trennwand des Gästeblocks mit einem speziellen Werkzeug, vermutlich einem Not-Hammer, und konnten so frei in den Innenraum gelangen. Aus Kreisen des Stadion-Sicherheitsdienstes heißt es, dass mitgebrachte Ordner von Hertha sich zu Beginn der Auseinandersetzungen zurückzogen, während Dresdner Ordner kaum eingriffen.
Kritik an Polizeieinsatz
Trotz der Anwesenheit von rund 750 Polizeikräften aus mehreren Bundesländern dauerte es auffällig lange, bis sie nach den ersten Gewalttaten eingriffen. Zudem wird kritisiert, dass einige Beamte unnötig brutal vorgingen, indem sie Reizgas auf Fans einsetzten, die sich bereits zurückgezogen hatten, und sogar in einen neutralen Block sprühten, in dem Kinder saßen.
Spielunterbrechung und Ermittlungen
Während der Ausschreitungen verließen die Spieler auf Anordnung von Schiedsrichter Sven Jablonski das Feld. In der Kabine herrschte Aufregung über die Sicherheitslage, und das Spiel blieb für 20 Minuten unterbrochen. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Ticketbetrugs eingeleitet. Der DFB-Kontrollausschuss hat ein Verfahren gegen beide Vereine eröffnet, die sich von den Szenen distanzierten und Gespräche mit ihren Fans ankündigten.
Auswertung von Überwachungsbildern
In dieser Woche sollen Überwachungsbilder ausgewertet werden, um die geplanten Aktionen der Fangruppen aufzuklären. Es kursieren Theorien, dass Dynamo-Fans während der Choreografien zu Spielbeginn in den Hertha-Block eingedrungen sein könnten, um die Fahne zu stehlen. Beide Klubs stehen im Kontakt mit der DFL, dem DFB und dem sächsischen Innenministerium, um die Vorfälle aufzuarbeiten.



