Freiburgs historischer Moment im Schatten der Königsklasse
Der SC Freiburg erlebt einen historischen Abend im europäischen Fußball. Erstmals in der Vereinsgeschichte hat es der Club aus dem Breisgau ins Viertelfinale eines Europapokals geschafft. Am Donnerstagabend trifft Freiburg in der Europa League auf Celta Vigo – ein Spiel, das nicht nur sportlich, sondern auch finanziell von großer Bedeutung ist.
Denn während die Aufmerksamkeit der Fußballwelt meist auf der prestigeträchtigen Champions League ruht, findet im Schatten der Königsklasse eine wichtige Debatte statt: Kassieren die Clubs unterhalb der Top-Klasse zu wenig Geld? Die Diskussionen um eine mögliche Umverteilung der Gelder im Milliardengeschäft Profifußball nehmen gerade jetzt, wo die internationalen Wettbewerbe in die entscheidende Phase gehen, wieder deutlich an Fahrt auf.
4,2 Millionen Euro auf dem Spiel
Für den SC Freiburg stehen im aktuellen Europa-League-Halbfinale 4,2 Millionen Euro auf dem Spiel. Auf den ersten Blick klingt das nach einer beträchtlichen Summe. Beim zweiten Blick – vor allem in Richtung der finanziellen Dimensionen der Champions League – relativiert sich dieser Betrag jedoch schnell. Der Europapokal präsentiert sich als deutliche Drei-Klassen-Gesellschaft, bei der die finanziellen Unterschiede zwischen den Wettbewerben enorm sind.
Freiburgs Finanzvorstand Oliver Leki würde die 4,2 Millionen Euro für den Halbfinaleinzug natürlich gerne mitnehmen. Doch der Vizepräsident der Deutschen Fußball Liga geht in seinen Forderungen noch weiter: In der Europa League könnte und sollte aus seiner Sicht deutlich mehr verdient werden. „Da könnte aus der Champions League schon noch etwas abgeknapst werden“, findet Leki und spricht damit ein Thema an, das viele Clubs der zweiten und dritten europäischen Ebene beschäftigt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die finanziellen Diskrepanzen zwischen den europäischen Wettbewerben sind tatsächlich gewaltig. In dieser Saison schüttet die UEFA 2,5 Milliarden Euro an die 36 Teilnehmer der Champions League aus. In der Europa League sind es vergleichsweise bescheidene 565 Millionen Euro, in der Conference League sogar nur 285 Millionen Euro.
Schon beim Startgeld werden die Unterschiede deutlich: Ein Club, der an der Champions League teilnimmt, erhält mehr als 18 Millionen Euro. In der Europa League sind es gut vier Millionen, in der Conference League drei Millionen Euro. Für einen Sieg in der Ligaphase der Königsklasse gibt es über zwei Millionen Euro Prämie, in der Europa League 450.000 Euro und in der Conference League 400.000 Euro.
Die Endrundenprämien setzen diesen Trend fort: Sollte sich der FC Bayern München im Giganten-Duell mit Real Madrid durchsetzen, bekäme der Rekordmeister für den Halbfinal-Einzug in der Champions League satte 15 Millionen Euro. Für Freiburg gäbe es für das Erreichen der Vorschlussrunde in der Europa League die erwähnten 4,2 Millionen, für Mainz 05 in der Conference League wären es 2,5 Millionen Euro.
Lekis Forderung nach Umverteilung
Oliver Leki hält die Diskrepanz zwischen den Wettbewerben für eindeutig zu groß – auch mit Blick auf die Bundesliga. Um den nationalen Titelkampf wieder spannender zu machen, wäre es seiner Meinung nach „ein wirkungsvoller Ansatz, die astronomischen Summen, die aus der Champions-League-Vermarktung von der UEFA eingenommen werden, ausgewogener an die Starter in der Europa League und Conference League zu verteilen“.
In einem Interview mit der „Sport Bild“ erklärte der Freiburger Finanzvorstand: „Das Charmante einer Umverteilung wäre, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Topclubs nicht geschwächt würde, weil auch die Topclubs der anderen großen Ligen in gleicher Weise auf Geld verzichten müssten.“ Leki erwartet von den deutschen Vertretern bei der UEFA und im europäischen Clubverband EFC, dass sie sich für eine solche Umverteilung einsetzen.
Geteilte Meinungen in der Bundesliga
Während Freiburg und Mainz 05 – letzterer trifft in der Conference League auf Racing Straßburg – eine Umverteilung der Gelder befürworten, sehen die Topclubs der Bundesliga dies anders. Für Jan-Christian Dreesen, Vorstandschef des FC Bayern München, ist die Vorstellung, durch eine Umverteilung mehr Spannung im nationalen Titelkampf zu erzeugen, eine „Illusion“.
Dreesen argumentiert, dass Topclubs aus England oder Spanien einen solchen finanziellen Einschnitt „deutlich leichter auffangen“ könnten, weil dort mehr TV-Gelder fließen. Man würde die deutschen Champions-League-Starter im internationalen Konkurrenzkampf womöglich also schwächen. Auch bei Borussia Dortmund oder RB Leipzig sehen die Verantwortlichen keinen Handlungsbedarf bei der aktuellen Verteilung.
In Mainz teilt Sportchef Christian Heidel dagegen die Position Freiburgs: „Ich kann Leki nur zustimmen, dass im Sinne des Wettbewerbs ein neuer Verteilerschlüssel wünschenswert wäre“, sagte Heidel. „Das sage ich aber schon seit über fünf Jahren.“
Die langfristigen Auswirkungen
Alexander Wehrle, Vorstandschef des zuletzt wiedererstarkten VfB Stuttgart, verwies unlängst auf die langfristigen Folgen der aktuellen Verteilung. Ein Club wie Dortmund sei den Schwaben in puncto Umsatz „noch Jahre oder Jahrzehnte“ voraus – einfach weil der BVB regelmäßig in der Königsklasse dabei ist.
Die finanziellen Unterschiede setzen sich bis zum Titelgewinn fort: Wer im Mai in Budapest die Champions League gewinnt, erhält für den Triumph inklusive Finaleinzug 25 Millionen Euro. Der Europa-League-Sieger in Istanbul bekommt 13 Millionen, der Conference-League-Champion in Leipzig 7 Millionen Euro.
Während der SC Freiburg also seinen historischen Europapokal-Abend vorbereitet, tobt im Hintergrund eine Debatte, die die Zukunft des europäischen Vereinsfußballs maßgeblich mitbestimmen könnte. Die Frage, ob und wie die UEFA-Gelder umverteilt werden sollten, bleibt eines der bestimmenden Themen – nicht nur für Freiburg, sondern für den gesamten europäischen Fußball.



