Entscheidungstag in den Regionalligen: Kompass-Modell auf der Kippe
Am Montag kommt es in den fünf Regionalligen zu finalen Abstimmungen über die Einführung des viergleisigen Kompass-Modells. Nach 14 Jahren könnten dann alle Meister direkt aufsteigen. Doch der Skandal im Vorfeld wirkt nach: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Kompass-Lösung plötzlich mit einer Staffelstärke von 18 statt 20 Teams gespielt werden soll. Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange (57) von der Universität Würzburg bezeichnet dies als „Sprengstoff für die ganze Debatte“ und kritisiert die kurzfristigen Änderungen als „unglaublich und erschreckend“.
Fanforscher greift DFB-Vizebossen an
Lange attackiert die Regionalverbandschefs Peter Frymuth (69/Westen), Dr. Christoph Kern (43/Bayern) und Ralph-Uwe Schaffert (75/Norden) frontal. Sie hätten sich am Konzept des DFB-Geschäftsführers Manuel Hartmann zu schaffen gemacht. „Das sind überflüssige Machtkämpfe, die in die Länge gezogen werden. Sie sprechen für die eigene Unfähigkeit und sind mittlerweile für Fußball-Anhänger unerträglich“, so Lange. Der Fanforscher rechnet auch mit der Klub-Abstimmung ab: „Das passt zu den DFB-Mustern, es handelt sich hier nicht um einen lupenreinen demokratischen Prozess. Da wird ganz viel Vertrauen zerstört.“
Reporter-Legende: „Schmutziger Taschenspielertrick“
Reporter-Legende Hansi Küpper (65) nagelt gegen Frymuth, Kern und Schaffert: „Dieser Vorstoß, dass jetzt plötzlich über 18er-Ligen abgestimmt werden soll, ist ein schmutziger Taschenspielertrick. Damit sollen die Vereine verunsichert und das überfällige Kompass-Modell boykottiert werden.“ Er fordert: „Das Kompass-Modell muss kommen! Und der DFB muss auf die Regionalfürsten einwirken!“ Lange ergänzt: „Fanpositionen werden beiseite geschoben. Kommt es nicht zu einer Lösung, wird es scharfe Protestaktionen ab dem ersten Spieltag geben.“
Westklubs rebellieren gegen Frymuth
Frymuth hatte vor kurzem eine „einvernehmliche“ Lösung angekündigt, jetzt offenbarte er einen schweren Wortbruch. Seine Vereine wie Fortuna Köln und Rot-Weiß Oberhausen rebellierten sofort. „Wir stehen weiterhin hinter den ursprünglich vereinbarten Inhalten der Reform: vier Regionalliga-Staffeln mit jeweils 20 Vereinen und eine Entscheidung per Mehrheitsvotum statt Einstimmigkeit“, sagt Fortuna-Präsident Hanns-Jörg Westendorf. Frymuth und Schaffert hatten ihren Vereinen in Infoveranstaltungen versprochen, sich nach ihren Interessen zu richten.
Bayern: Verbandsboss muss beim FC Bayern antanzen
Schwierig wird die Lage für Christoph Kern in Bayern. Nach BILD-Informationen musste der Verbandsboss mehrmals zum Rapport beim FC Bayern München antanzen. Der Rekordmeister will die viergleisige Regionalliga wie die gesamte DFL unter anderem für die Talentförderung.
Ex-Trainer Wolf: Klubs können Verbandsbosse in die Enge treiben
Ex-Bundesliga-Trainer Wolfgang Wolf (68) glaubt, dass der Skandal die Vereine zusammengeschweißt hat: „Die Geschlossenheit der Klubs ist diesmal ganz anders. Sie können die Verbandsbosse jetzt komplett in die Enge treiben. Ich sehe keinen Ausweg mehr, als am Montag über die 20er-Lösung des Kompassmodells abzustimmen und die Reform so schnell wie möglich zu beschließen.“ Wolf wendet sich an die Südwestklubs: „Macht die Augen auf, schweigt nicht länger und bekennt euch endlich zur sportlichen Gerechtigkeit!“
Klubs drohen mit Klagen
Scheitert der Prozess, sind Teile der Klubs aus der Aufstiegsreform-Initiative nach eigener Aussage bereit, die bisherige Aufstiegsregelung (zwei Regionen feste Plätze, drei müssen regelmäßig in die Relegation) notfalls vor ordentlichen Gerichten prüfen zu lassen. Für den DFB würde es immer noch heikler.



