Vincent Kompany kennt längst ganz Fußball-Deutschland. Wer aber ist José Barcala, der mit den Frauen des FC Bayern ebenfalls noch das Triple gewinnen kann? Der spanische Trainer steht vor seinem bislang größten Spiel: Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Barcelona muss er aufgrund einer Roten Karte von der Tribüne aus coachen. Eine Situation, die Kompany bei den Männern in Paris bereits erlebte.
Die Ausgangslage vor dem Rückspiel
Nach dem 1:1 im Hinspiel, als Barcala nach der Aufregung um das Zopf-Ziehen von Franziska Kett ebenso wie die Nationalspielerin Rot sah, treten die deutschen Meisterinnen im legendären Camp Nou an. Die Devise für Sonntag (16.30 Uhr/ZDF und Disney+) gibt DFB-Kapitänin Giulia Gwinn aus: „Kein bisschen verstecken, sondern Vollgas.“ Noch nie standen die Bayern-Frauen im Endspiel. Dass sie überhaupt so weit gekommen sind, ist auch ein großer Verdienst Barcalas, der gegen Spaniens Starensemble von Clara Schöne oder Kjetil Lone offiziell vertreten wird.
Lob von Bundestrainer Wück
Nicht nur Bundestrainer Christian Wück sieht „eine unheimlich gute Entwicklung mit dem neuen Trainer“. Die Leistungen des deutschen Meisters „auf höchstem Niveau“ seien auch fürs Nationalteam von größter Bedeutung. Dabei hatte die Königsklassen-Saison für Barcala und seine Spielerinnen mit einer Lehrstunde begonnen - 1:7 in Barcelona. „Es war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens“, erinnerte sich der 44-Jährige. Und dennoch haben die Münchnerinnen jetzt die Chance auf ihr erstes Triple. Im DFB-Pokal-Finale am 14. Mai in Köln wartet noch der zuletzt abgehängte Dauerrivale VfL Wolfsburg.
Barcalas ruhige Art als Erfolgsrezept
Fest steht: Barcala hat die Münchnerinnen spielerisch vorangebracht und sich einen Namen gemacht. Der gebürtige Galicier kam als Meistermacher von Le Servette Football Club Chênois Féminin aus der Schweiz. Als Nachwuchstrainer und später bei den Frauen ist er schon viel herumgekommen: Deportivo La Coruña (Spanien), Universität von Queensland und Brisbane Roar (Australien), Girondins Bordeaux (Frankreich), FC Aarau (Schweiz), Schottlands Nationalteam.
Im Gegensatz zu seinem impulsiven Vorgänger Alexander Straus gilt Barcala eher als ein Mensch der sanften Töne. „Manchmal ist Stille wichtiger als jedes Wort“. So lautet ein Credo von ihm. Linda Dallmann bestätigt: „Er ist menschlich einfach eine sehr, sehr angenehme Person, was uns generell als Team guttut. Selbst nach dem 1:7 gegen Barça ist er so ruhig geblieben und hat sich nur umso mehr an die Arbeit gemacht. Es ist bei ihm nie so, dass er in der Halbzeit jemanden zusammenfaltet.“
Der Ausbruch gegen Barcelona
Nach Ketts Platzverweise gegen Barça aber war das anders. „Ich bin kein Trainer, der sich bei den Schiedsrichtern beschwert und Druck ausübt“, verteidigte sich Barcala. „Ich habe einfach protestiert, ohne etwas zu sagen, ich habe einfach geschrien, und ich glaube, dass ich diese Gelbe Karte verdient habe, aber keine Rote. Ich denke, das ist völlig unfair.“ Diese Woche entschuldigte er sich für seinen Ausbruch: „Das ist nicht mein Stil.“
Der Traum vom Triple
Dass er selbst mit im Mittelpunkt steht, ist eher ungewöhnlich. Barcala lässt ansonsten keine Gelegenheit aus, sein Team in den Vordergrund zu stellen und lobte auch mehrfach seinen Vorgänger, der ihm „ein fantastisches Fundament“ hinterlassen habe. Und er nimmt sich selbst in die Pflicht: „Wenn wir als Staff in der Lage sind, mit einem klaren Plan vor diese Spielerinnen zu treten, dann können sie mit der Qualität, die sie haben, bis zum Mond kommen.“ Das Team habe eine unglaubliche Reife, sagte Vater von zwei Mädchen kürzlich, „aber das Schönste ist, auf meine Spielerinnen zu schauen und zu sehen, wie sie sich umeinander kümmern und gegenseitig schützen.“



