Arsenal-Absagenflut entfacht Debatte über Nationalspieler-Einsätze
Im englischen Fußball sorgt eine bemerkenswerte Häufung von Absagen bei den Nationalmannschaften für kontroverse Diskussionen. Beim FC Arsenal sind mittlerweile elf Spieler vorzeitig von ihren jeweiligen Nationalteams zurückgekehrt, was einen brisanten Verdacht aufkommen lässt. Kritische Stimmen vermuten hinter den zahlreichen Abmeldungen eine taktische Maßnahme des Londoner Klubs.
Elf Arsenal-Profis kehren vorzeitig zurück
Die Liste der Spieler, die die aktuelle Länderspielperiode nicht vollständig bei ihren Nationalmannschaften verbrachten, wächst stetig an. Am Sonntag gesellten sich Martín Zubimendi und Piero Hincapié zu bereits zuvor zurückgekehrten Teamkollegen. William Saliba hatte sich nach dem verlorenen League-Cup-Finale gegen Manchester City als Erster mit Knöchelproblemen von der französischen Nationalmannschaft abgemeldet.
Der Brasilianer Gabriel verzichtete aufgrund von Kniebeschwerden auf die Reise zur Selecao, während Eberechi Eze den Three Lions mit Wadenproblemen absagte. Auch Martin Ödegaard für Norwegen und Jurrien Timber für die Niederlande zogen sich aufgrund früherer Verletzungen zurück. Leandro Trossard flog zudem nicht mit der belgischen Nationalmannschaft in die Vereinigten Staaten.
Tuchel verteidigt medizinische Entscheidungen
Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel wurde auf einer Pressekonferenz am Montag deutlich und widersprach Spekulationen über taktische Motive. „Sie wurden medizinisch untersucht und wollten unbedingt spielen, nur um die Sache klarzustellen“, betonte Tuchel in Bezug auf Declan Rice und Bukayo Saka, die er beim 1:1 im Testspiel gegen Uruguay geschont hatte.
Der englische Nationalcoach ergänzte: „Sie wollten unbedingt dabei sein. Aber es ergab einfach keinen Sinn, dieses Risiko einzugehen. Vielleicht, wenn es das letzte Spiel der Saison gewesen wäre, hätten wir sie behalten und alles versucht. Aber zu diesem Zeitpunkt der Saison hat es einfach keinen Sinn ergeben.“ Tuchel betonte nachdrücklich, dass das Risiko einer Verschlimmerung der Verletzungen einfach zu groß gewesen sei.
Kritik von ehemaligem Nationalspieler
Der frühere Aston-Villa-Stürmer Gabriel Agbonlahor äußerte hingegen deutliche Bedenken. Angesichts der Tatsache, dass Arsenal in der Premier League, der Champions League und dem FA Cup noch um Titel mitspielt, sagte er: „Ich verstehe schon, dass Arteta alles tut, um diese Titel zu holen.“ Der dreimalige englische Nationalspieler fügte jedoch kritisch hinzu: „Ich finde es einfach nicht gut, wenn Spieler auf Länderspiele verzichten. Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen. Das passt für mich einfach nicht.“
Agbonlahor nahm sogar Bayern-Star Harry Kane als Kapitän der Three Lions in die Pflicht: „Wenn ich Harry Kane wäre, würde ich das Thema ansprechen und sagen: ‚Kommt schon, Jungs, lasst uns nicht wieder vier oder fünf Jahre zurückfallen, als sich Spieler ständig abgemeldet haben.'“ Der 39-Jährige ging sogar noch weiter und schlug eine drastische Maßnahme vor: „Du verpasst das nächstmögliche Premier-League-Spiel, wenn du auf einen Länderspieleinsatz verzichtest. Ich sage dir eins: Die Spieler werden aufhören, abzusagen.“
Debatte um Nachweisbarkeit von Verletzungen
Fraglich bleibt allerdings, ob sich eine solche Regelung praktisch umsetzen ließe. Oft ist schwer nachweisbar, ob es sich bei einer Absage tatsächlich nur um eine sogenannte „Leistungszerrung“ handelt oder ob andere Motive eine Rolle spielen. Der Telegraph hatte bereits berichtet, dass Arsenal-Coach Mikel Arteta sich „freuen werde, dass wichtige Spieler vorzeitig“ von ihren Nationalteams zurückkehren.
Die Zeitung fühlte sich an Trainerlegende Sir Alex Ferguson erinnert, der einst seine Spieler lieber bei Manchester United fit haben wollte, anstatt sie zu Testländerspielen reisen zu lassen. Der jüngste Wirbel um die Absagenflut passt in das kritische Klima rund um den englischen Spitzenreiter. Kürzlich hatten bereits die Eckballtaktik mit dem Überladen des Fünfmeterraums sowie das Zeitspiel der Arsenal-Akteure für wachsenden Unmut gesorgt.
Sollte am Samstag ein Großteil der nun vorzeitig zurückgekehrten Spieler wieder in Artetas Kader für das Viertelfinale im FA Cup beim FC Southampton auftauchen, dürfte die Debatte jedenfalls neu entfacht werden. Die Frage, ob medizinische Vorsicht oder taktische Überlegungen im Vordergrund stehen, bleibt vorerst unbeantwortet.



