Jan Schlappen: Der verrückteste Sportler Deutschlands im Fokus
Jan Schlappen zählt zu den bekanntesten und außergewöhnlichsten Extremsportlern in Deutschland. Im exklusiven Interview mit SPORT1 gewährt der Parkour-Athlet tiefe Einblicke in seine große Leidenschaft, seinen wichtigsten Sprung und seinen persönlichen Umgang mit gefährlichen Verletzungen. Während für viele Menschen bereits der Sprung vom 10-Meter-Turm im Freibad eine mutige Herausforderung darstellt, wäre dies für Schlappen nicht einmal ein Aufwärmprogramm.
Parkour als Lebensphilosophie
Schlappen ist in der Parkour-Szene eine feste Größe und gehört zu den besten Sportlern seiner Disziplin. Bekannt ist er jedoch nicht nur für seine athletischen Fähigkeiten, sondern auch für seine verrückten Aktionen und seine einzigartige Art. „Alles, wo es Treppen, Wände oder Geländer gibt, ist ein großer Spielplatz für mich“, erklärt Schlappen im SPORT1-Podcast Deep Dive. „Da bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an einen geilen Sandhaufen oder ein geiles Treppen-Setting denke.“
Diese besondere Wahrnehmung der Umwelt macht für ihn den Reiz von Parkour aus: „Das ist genau das, was Parkour so besonders macht, dass du überall gleich eine Möglichkeit für einen Trick siehst.“ Der Moment, wenn ein schwieriger Sprung gelingt, beschreibt er als „das Geilste der Welt“.
Der legendäre Sprung in Lyon
Für besondere Herausforderungen reist Schlappen mit seinem Team auch über große Distanzen. Ein absolutes Highlight seiner Karriere war die Bewältigung der legendären Treppe „Lyon 25“ in Frankreich. Diese Herausforderung gilt in der Extremsport-Szene als besonders gefährlich: 25 Treppenstufen, vier Meter Höhe, sieben Meter Weite – alles aus Beton.
„Es ist ein Ort, den man in der Extremsport-Szene speziell vom Skateboard kennt“, erläutert Schlappen. „Das kennt jeder und jeder weiß: Wenn man das schafft, dann ist es wirklich sehr krass.“ Nachdem Freerunner Dominic Di Tommaso das Hindernis 2018 mit einem Vorwärtssalto überwand, sich dabei jedoch die Ferse brach, stand für Schlappen fest: „Das will ich auch unbedingt probieren.“
Jahrelang trainierte er speziell für diesen Sprung, bis der große Moment kam: „Wir sind 12 Stunden mit dem Auto gefahren nur für diesen einen Sprung und dann hast du ziemlich großen Druck da oben.“ Trotz der Nervosität meisterte er die Herausforderung und erfüllte sich damit seinen „größten Traum im Leben“.
Familie und Risikobewusstsein
Schlappen ist sich der Gefahren seiner Sportart durchaus bewusst. „Eigentlich war es mir auch scheißegal, ob ich mir auch die Hacke breche. Ich wollte diesen Sprung unbedingt schaffen“, gesteht er. Diese Einstellung bereitet seiner Mutter jedoch große Sorgen: „Meine Mutter ist eher ängstlich, die will davon gar nichts hören, was ich so mache. Die hat natürlich schon Angst um mich.“
Ganz anders reagiert sein Vater: „Der findet das eigentlich ganz geil. Der guckt sich auch jedes Video an und sagt auch immer, was er nice fand und wo er ein bisschen Muffensausen hatte.“
Schwere Verletzungen und Wiederkehr
Trotz aller Vorsicht kam es bereits zu schweren Unfällen. In Mexiko zog sich Schlappen bei einem scheinbar harmlosen Sprung eine gefährliche Hirnblutung zu. „Ich hatte zum Glück keine Brüche am Kopf, aber eine ordentliche Hirnblutung, mit der ich in Mexiko lag“, berichtet er. Die Verletzung wurde zunächst nicht erkannt, da der Sanitäter die Situation falsch einschätzte.
Nach einigen Tagen Ruhe konnte er zurück nach Deutschland fliegen, doch die Erfahrung bleibt: „Wenn ich darüber nachdenke, war das aber schon sehr gruselig. Das ist schon eine unschöne Erinnerung.“ Dennoch setzte er seine Parkour-Karriere fort: „Das geht überhaupt nicht anders. Ich muss einfach Parkour machen.“
Weitere verrückte Projekte
Neben seiner Parkour-Leidenschaft engagiert sich Schlappen als Kapitän der sogenannten „Nacktionalmannschaft“, einer Fußball-Mannschaft, die komplett nackt – auch gegen bekleidete Gegner – antritt. Im Vergleich zu seinen riskanten Parkour-Sprüngen ist dies zwar deutlich ungefährlicher, passt aber perfekt zum Image des vielleicht verrücktesten Sportlers Deutschlands.
Jan Schlappen verkörpert damit eine neue Generation von Extremsportlern, die ihre Leidenschaft konsequent leben und dabei immer wieder an ihre physischen und mentalen Grenzen gehen.



