DDR-Sportlegende Wolfgang Hoppe: Als seine Frau Krebs bekam, traf er die wichtigste Entscheidung
Ein Leben zwischen olympischem Ruhm und persönlichen Schicksalsschlägen: Wolfgang Hoppe, einst einer der erfolgreichsten Bob-Piloten der Welt, blickt mit 69 Jahren auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Der gebürtige Thüringer, der heute vielen Menschen noch ein Begriff ist, sagt heute, dass er alles richtig gemacht habe, als es um das wirklich Wichtige im Leben ging.
Weltweite Erfolge im Eiskanal
Wolfgang Hoppe hat durch seinen Sport schon vor der Wende fast die gesamte Welt bereist. Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften sowie zahlreiche Cups führten den gelernten Maschinenbauer, der später noch Pädagogik studierte, in Metropolen rund um den Globus. Von Lake Placid über Sarajevo bis Calgary, Albertville und Lillehammer – ab 1983 brachte der Apoldaer Gold-, Silber- und Bronzemedaillen wie am Fließband mit nach Hause.
Seine Glückssträhne im Eiskanal währte anderthalb Jahrzehnte. Doch mit Glück hatte dieser Erfolg wenig zu tun. Vielmehr zeugte er von außergewöhnlichem Talent, immensem Fleiß und unbändigem Ehrgeiz. Sowohl im Zweier- als auch im Vierer-Bob bestimmte Hoppe bis Ende der 1990er-Jahre die Weltspitze mit und gilt als einer der erfolgreichsten Sportler der DDR.
Das Leben nach der aktiven Karriere
Obwohl der zweifache Vater 1998 seine Laufbahn als erfolgreichster Bob-Pilot aller Zeiten beendete, ist sein Name weiterhin präsent – besonders in den neuen Bundesländern. Seine 33 gewonnenen internationalen Medaillen bewahrt er wohlverwahrt in einem Koffer zu Hause auf. „Ich nehme die manchmal mit, wenn ich in Schulen bin und über den Leistungssport berichte“, verrät der Ex-Bobfahrer.
Mit 69 Jahren geht der gebürtige Thüringer das Leben heute etwas geruhsamer an. Von Frühjahr bis Herbst verbringt er mit seiner Frau die Zeit auf einem Campingplatz an der Ostsee – sehr zur Freude seiner fünf Enkel, die alle die sportlichen Gene der Familie geerbt haben, wie der Opa stolz betont.
Die entscheidende Wendung: Krebsdiagnose der Ehefrau
Wolfgang Hoppe, der nach seiner aktiven Karriere als Bundestrainer der deutschen Bobfahrerinnen wirkte und sich erst kürzlich ganz zur Ruhe setzte, traf einst eine folgenschwere Entscheidung aus Liebe zu seiner Frau. Wie er berichtet, befand er sich damals mitten in den Vorbereitungen auf seine fünften Olympischen Spiele, als seine Ehefrau die Diagnose Krebs erhielt.
„An diesem Punkt geriet alles andere ins Hintertreffen und wurde auf Schlag unwichtig“, erinnert sich der diplomierte Lehrer für Mathematik und Deutsch. Mit dieser Entscheidung haderte er nie: „Wichtig ist doch, dass sie es geschafft hat und heute noch an meiner Seite steht. Alles andere wäre für mich unvorstellbar gewesen. Kürzlich erst haben wir gemeinsam ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Da kann kein Medaillenglück mithalten.“
Familienbande und sportliches Erbe
Das praktische an seinem Domizil im Norden ist auch die Nähe zu vielen Freunden aus vergangenen Zeiten. Harald Kunkel beispielsweise lebt in der Uckermark und ist froh, dass der Kontakt nie abriss. Bei ihm schlug der vielfach ausgezeichnete Ex-Bob-Profi am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Bruder Heinz zum Treffen der DDR-Legenden auf.
Auch der ältere Bruder Heinz war vor der Wende eine Sportgröße, allerdings nicht wie Wolfgang im Bob, sondern wie ihr Vater Werner im Motocross. Der 79-Jährige gilt mit 37 Titeln als unangefochtener Rekordmeister der DDR im Geländesport. Die sportlichen Traditionen der Familie Hoppe leben somit in verschiedenen Disziplinen weiter.
Heute blickt Wolfgang Hoppe auf ein erfülltes Leben zurück, in dem sportliche Höchstleistungen und familiäre Werte gleichermaßen ihren Platz fanden. Seine Entscheidung, die Karriere für die Gesundheit seiner Frau zu opfern, betrachtet er rückblickend als die wichtigste seines Lebens – eine Prioritätensetzung, die Medaillen und Rekorde in den Schatten stellt.



