Notfallreform: Leitstellen entscheiden künftig über Einsatz von Krankenwagen
Notfallreform: Leitstellen entscheiden über Krankenwagen-Einsatz

Bundesregierung plant umfassende Reform der Notfallversorgung

Die Bundesregierung arbeitet neben der umfassenden Gesundheitsreform an einer grundlegenden Neustrukturierung der Notfallversorgung in Deutschland. Das erklärte Ziel dieser Initiative ist es, Patienten mit schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen deutlich schneller medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Gleichzeitig sollen sogenannte Bagatellfälle künftig verstärkt telemedizinisch oder im Rahmen der regulären ärztlichen Versorgung behandelt werden, um die Notaufnahmen und Rettungsdienste spürbar zu entlasten.

Gesetzentwurf von Gesundheitsministerin Warken liegt vor

Der konkrete Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) liegt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor und verfügt nach aktuellen Informationen über gute Chancen auf eine zügige Umsetzung. Die Regierung plant, den Entwurf bereits am kommenden Mittwoch zu beschließen. Bemerkenswert ist, dass es im Gegensatz zu anderen Gesundheitsprojekten bislang kaum nennenswerten politischen Widerstand gegen diese Reform gibt.

Kern der geplanten Maßnahmen ist eine verbesserte und zentral gesteuerte Patientenlenkung. Bisher treffen oft die Patienten selbst die Entscheidung, ob sie den Notruf 112 wählen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 kontaktieren – was in vielen Fällen zu Fehleinschätzungen führt. Künftig sollen speziell geschulte Mitarbeiter in den Leitstellen diese Steuerungsfunktion übernehmen. Nach einer fundierten Ersteinschätzung am Telefon entscheiden sie, welche Art der Hilfe im individuellen Fall tatsächlich erforderlich ist.

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Neustrukturierung der Notrufnummern und digitale Vernetzung

Für diese neue Aufgabenteilung wird die bekannte Nummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes neu organisiert. Neben der bisherigen Terminvergabe entsteht eine rund um die Uhr erreichbare Akutleitstelle, die telemedizinische Hilfe koordiniert und bei Bedarf Hausbesuche veranlasst. Beide Systeme – der Notruf 112 und der Bereitschaftsdienst 116117 – sollen enger miteinander verzahnt und digital vernetzt werden, um einen reibungslosen Informationsfluss zu gewährleisten.

Die Bundesregierung erwartet durch diese Reform erhebliche Entlastungseffekte. Pro Jahr sollen rund 1,2 Millionen weniger Notfälle die Rettungsdienste und Notaufnahmen belasten, was etwa acht Prozent aller Kontakte entspricht. Gleichzeitig könnten durch effizientere Abläufe jährlich schätzungsweise 3,3 Millionen Stunden an wertvoller Zeit eingespart werden. Insgesamt rechnet die Regierung bis zum Jahr 2031 mit Einsparungen in Höhe von mehr als neun Milliarden Euro. Ein wesentlicher Faktor hierbei sind weniger unnötige Krankenhausbehandlungen nach Rettungseinsätzen.

Integrierte Notfallzentren als Herzstück der Reform

Das Herzstück der geplanten Reform sind die sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ), die meist in unmittelbarer Nähe zu Krankenhäusern eingerichtet werden sollen. In diesen Zentren arbeiten die Notaufnahme, eine Notdienstpraxis und eine zentrale Stelle für die Ersteinschätzung der Patienten eng zusammen. Das klare Ziel ist eine direkte und zielgerichtete Lenkung der Patienten an die für ihren Fall geeignete medizinische Einrichtung. Parallel dazu werden auch die Rettungsdienste neu aufgestellt, um überflüssige Fahrten zu vermeiden und ihre Ressourcen optimal einzusetzen.

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