Serena Williams (44) gibt am Dienstagabend ihr lang erwartetes Comeback im Einzel bei den Wimbledon Championships. Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin trifft in der ersten Runde auf die Australierin Maya Joint (20). Es ist ihr erstes Einzel bei einem offiziellen Turnier seit fast vier Jahren. Im Vorfeld sprach die Amerikanerin über ihre Rückkehr, ihre Nervosität und ihren besten Freund im Tenniszirkus: Grigor Dimitrov (35).
Das Gefühl der Rückkehr nach Wimbledon
Williams betonte, dass sie vor dem Turnier nicht übermäßig emotional gewesen sei. „Ich kann nicht sagen, dass ich viele Emotionen hatte, einfach, weil ich vorher im Queen's Club war, der ja in London ist. Ich dachte: ‚Oh, das ist real.‘ Hier war es eher so: Okay, ich mache das jetzt schon ein paar Wochen. Es war ein bisschen wie Fahrradfahren. Aber klar, wenn ich spiele, kann das einiges ändern. Ich habe das Gefühl, dass ich es wirklich genießen werde, da draußen zu sein“, so Williams.
Die Entscheidung, im Einzel anzutreten, fiel erst am Sonntag. „Ich hatte bis Montag Zeit, mich zu entscheiden. Ich glaube, es war Sonntag, als ich zusagte. Ich war mir bis dahin einfach nicht sicher. Ehrlich gesagt, bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, aber wir werden sehen (lacht)“, gestand die Tennis-Ikone.
Lieblingsspielerinnen und Motivationstricks
Williams verfolgt weiterhin aufmerksam das aktuelle Tennisgeschehen. „Ich habe das alles verfolgt. Nicht jedes einzelne Spiel und nicht jedes einzelne Turnier, hauptsächlich die Grand Slams. Sabalenka bei so vielen Grand-Slam-Turnieren so erfolgreich zu sehen, war immer echt cool. Ich liebe ihre Intensität auf dem Platz. Aber sie war schon da, als ich dabei war, also beantwortet das die Frage nicht ganz. Ich schaue natürlich Coco (Gauff; d. Red.) zu, die noch nicht so lang da war, aber ich liebe es, ihr zuzusehen. Und Mirra Andreeva. Ich sehe ihr sehr gerne zu“, erklärte Williams.
Einen ungewöhnlichen Motivationstrick verriet die 44-Jährige ebenfalls: „Ich weiß nicht, ob ihr es in Queen's gesehen habt, aber ich habe mein Team als Spielkarten gepostet. Ich liebe Marvel Comics. Auf jeder Karte war ein Motivationsspruch. Ich habe mich da aber nicht drauf konzentriert oder es gelesen. Ich habe einfach die KI gefragt und dann immer eine Karte bekommen.“
Grigor Dimitrov – ihr bester Freund
Besonders emotional sprach Williams über den Bulgaren Grigor Dimitrov, den sie als ihren besten Freund bezeichnet. „Er ist definitiv mein bester Freund. Es war so schön, ihn wiederzusehen. Wir stehen ja in Kontakt. Ich hatte ihn aber fast ein Jahr lang nicht gesehen. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an Grigor. Er versteht meine Verrücktheit. Ich verstehe seine. Glaub mir, er ist viel verrückter als ich (lacht). Er ist so ein herzensguter Mensch. Das letzte Jahr war wirklich schwer mitanzusehen mit der Verletzung“, so Williams über den Weltranglisten-10.
Nervosität und Dopingkontrollen
Auch über ihre Nervosität vor dem ersten Match sprach Williams offen: „Ich rechne damit, nervös zu sein. Ich war vor jedem Spiel, das ich je bestritten habe, nervös. Ich denke, das hat meine Leidenschaft, meine Liebe und meine Sorgfalt gezeigt, dass mir mein Job wichtig war, egal ob es die erste, die zweite Runde oder das Finale war. Aber das schüttle ich einfach ab und mache weiter.“
Ein großes Ärgernis sind für Williams die strengeren Regeln bei den Dopingkontrollen. „Es ist echt anstrengend. Die Regeln wurden geändert. Ich kannte einige davon gar nicht. Ich denke mir nur: Dann kann ich jetzt meine Kinder wohl nicht abholen. Das ist unprofessionell. Ich hasse es. Ich halte es zwar für notwendig, aber ich finde, viele Dinge sollten erlaubt sein, ohne dass das als verpasster Test gewertet wird. So ist es jedenfalls nicht zumutbar. Das war auch ein Hauptgrund, warum ich eigentlich nicht zurückkommen wollte, weil es einfach so schwierig ist. Ich meine, mein Leben ist sehr ausgefüllt: Ich leite ein Unternehmen, eine Venture-Capital-Firma, reise um die Welt und habe Kinder. Ich könnte ständig in so vielen verschiedenen Städten sein. Aber diese Disziplin beim Melden zu entwickeln. Natürlich macht mir das nichts aus, weil ich meine Arbeit liebe und mir immer sehr klar war, was ich tue. Es geht einfach darum, in diese Routine zu kommen, also erst die neuen Regeln zu lernen und dann jeden Tag zu melden, wo man ist. Ich denke, für die nächsten 24 Stunden wird es einfach sein, wo ich sein werde, zumindest für mich. Ich weiß nicht, ob das für alle anderen auch so ist“, erklärte Williams.
Warum sie zurückkam – und Respekt von Mirra Andreeva
Trotz aller Hürden entschied sich Williams für das Comeback. „Ich dachte mir, Wimbledon vergibt nicht jeden Tag eine Wildcard. Ich könnte vielleicht eine Handvoll Leute nennen. Und ich war zufällig eine von ihnen. Ich dachte, ich sollte diese Chance unbedingt nutzen. Wer weiß, ob ich es jemals wieder hierher schaffe. Das könnte meine Chance sein. Ich dachte dann nur: Was stimmt nicht mit dir, Serena? Was denkst du dir dabei? Bist du verrückt? Du solltest das wirklich tun! Manche Menschen leben dafür, Sportler zu sein. Ich habe diese großartige Gelegenheit zu zeigen, was ich kann, was ich wohl am besten kann. Letztendlich dachte ich mir: Das ist ziemlich cool, also sollte ich es tun“, so die Amerikanerin.
French-Open-Siegerin Mirra Andreeva (19) hatte zuvor gesagt, sie wolle in der ersten Runde nicht gegen Williams spielen. Williams zeigte Verständnis: „Mir fällt auch niemand ein, der gerne sofort gegen die Big 4 (Federer, Nadal, Djokovic, Murray) spielen würde, wobei Novak (Djokovic; d. Red.) ja noch da ist. Ich finde, das zeugt von unheimlichem Respekt, und das ist ein weiterer Grund, warum ich sie so mag. Gerade bei einem Grand Slam will man sich einspielen. Niemand weiß, wie sich mein Spiel entwickelt hat, was zu erwarten ist, man weiß einfach nicht viel. Gegen solche Gegnerinnen zu spielen ist immer sehr schwer.“



