Jaenicke: Wal Timmy trotz Rettungsversuch „zum Tode verurteilt“
Jaenicke: Wal Timmy trotz Rettung „zum Tode verurteilt“

Das Schicksal des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals Timmy bewegt ganz Deutschland. Während ein neuer Rettungsversuch gestartet wird, äußert sich der bekannte Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke pessimistisch: Er sieht das Tier „zum Tode verurteilt“. Die „Pelorus Jack Foundation“ des 66-Jährigen setzt sich seit Jahren für Umwelt-, Klima- und Artenschutz ein. Nun startet Jaenicke eine bundesweite Spendenkampagne, um 50.000 Hektar Regenwald in Indonesien zu erwerben und den Lebensraum bedrohter Tierarten zu sichern.

Hoffnungsloser Fall Timmy

Der Buckelwal war am 23. März erstmals vor dem Timmendorfer Strand auf einer Sandbank gestrandet. Sea Shepherd stellte fest, dass Timmy Teile eines Netzes im Maul und vermutlich auch im Magen hat. Zwar gelang am 27. März eine kurzfristige Befreiung, doch nur drei Tage später strandete das Tier erneut – diesmal vor der Insel Poel. Eine erneute Rettungsmission läuft, doch Jaenicke gibt sich keinen Illusionen hin. „Er verendet an einem Geisternetz – der kann das nicht überleben“, sagt der Schauspieler im AZ-Gespräch. Die Schuld sieht er klar beim Menschen: „Er ist ein Opfer unseres Fischkonsums.“

Kritik an Fischereipraktiken

Jaenicke zeigt Verständnis für die große Empathie, die Timmy in der Bevölkerung auslöst, mahnt aber: „Wir schlachten jeden Tag in Deutschland 35 Millionen Tiere, denen es keinen Deut besser geht als Timmy.“ Er fordert ein Umdenken in der Fischereiindustrie und fragt, warum Stellnetze und Grundschleppnetze in maritimen Schutzgebieten noch erlaubt seien. „Dieser Wal verendet wegen unseres Appetits auf Fisch, und nichts kann ihn mehr retten. Es ist eine Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt.“

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Positiver Effekt möglich

Trotz seiner düsteren Prognose hofft Jaenicke, dass das Drama um Timmy zu einem Umdenken führt. „Die Diskussion über die Gründe, warum Wale anstranden – Fischereipraktiken, Schiffsverkehr, Lärmbelastung – kann einen positiven Effekt haben.“ Er wünscht sich, dass Timmy ein Anstoß ist, über besseren Schutz der Meere nachzudenken. Wissenschaftliche Schätzungen zufolge ersticken jährlich rund 650.000 Meeressäuger an Geisternetzen und Plastikmüll. Jaenicke betont: „Wenn ein Schweinswal stirbt, kriegt das niemand mit. Ich hoffe, dass Timmy das ändert.“

Ob der Buckelwal gerettet werden kann, bleibt ungewiss. Jaenicke glaubt nicht an ein Happy End: „Selbst wenn er von der Küste entkommt, kann er sich nicht mehr richtig ernähren – er ist zum Tode verurteilt.“

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