Ostsee-Wrack: Geschichte des Kreuzers Lützow auf Usedom
Geschichte des Kreuzers Lützow auf Usedom

In der Ostsee vor Usedom liegt ein gewaltiges Wrack: der Kreuzer „Lützow“. Teile des Schiffes sind heute in Polen zu sehen. Die militärische Karriere des Panzerschiffs endete am 4. Mai 1945 in der Kaiserfahrt südlich von Swinemünde mit Feuer und Sprengungen.

Vom Prestigebau zum Kriegsschiff

Die „Lützow“ lief 1931 in Kiel als „Deutschland“ vom Stapel und wurde 1933 in Dienst gestellt. Als Typschiff der Deutschland-Klasse war sie ein technisches Meisterwerk, das die Grenzen des Versailler Vertrags ausreizte: Dieselantrieb für große Reichweite, starke Artillerie und vergleichsweise geringe Verdrängung. Ihr Bau war politisch umstritten und wurde zum Wahlkampfthema. 1939 erhielt sie den Namen „Lützow“, um einen propagandistischen Untergangstitel „Deutschland versenkt“ zu vermeiden.

Einsätze und Schäden im Zweiten Weltkrieg

Die „Lützow“ war an vielen Fronten im Einsatz. 1937 wurde sie im Spanischen Bürgerkrieg vor Ibiza bombardiert, wobei 31 Besatzungsmitglieder starben. Im Zweiten Weltkrieg operierte sie im Nordatlantik und wurde 1940 beim Unternehmen Weserübung im Oslofjord beschädigt, kurz darauf von einem britischen U-Boot torpediert. 1941 folgte ein weiterer Torpedotreffer. Ab 1944 lag ihr Schwerpunkt in der Ostsee, wo sie sowjetische Stellungen beschoss und den deutschen Rückzug unterstützte.

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Das Ende in der Kaiserfahrt

Am 8. April 1945 lief die „Lützow“ wegen Munitionsmangels in Swinemünde ein. Am 16. April griffen 18 Lancaster-Bomber der 617 Squadron RAF mit Tallboy-Bomben an. Ein Nahtreffer riss einen langen Spalt in die Außenhaut, das Schiff sank mit Schlagseite. Trotz provisorischer Reparaturen konnte die „Lützow“ noch bis zum 4. Mai eingesetzt werden. Dann wurde das Schiff aufgegeben. Die Besatzung zerstörte die Geschütztürme und verteilte Sprengladungen.

Brand vor der geplanten Sprengung

In der Nacht fiel die letzte Lenzpumpe aus. Auslaufendes Öl entzündete sich, das Feuer griff um sich und zerstörte das E-Werk. Der Sprengoffizier konnte das Schiff rechtzeitig verlassen, bevor die Zünder detonierten. Die Explosionen zerstörten die „Lützow“ schwer, aber nicht vollständig. Nach Kriegsende wurde das Wrack von der Sowjetunion geborgen und am 22. Juli 1947 in der Ostsee versenkt.

Relikte in polnischen Museen

Bei Arbeiten im Hafenkanal von Swinemünde wurden 2019 zahlreiche Teile geborgen, darunter ein Heckanker und Panzerplatten. Diese werden heute im Westfort ausgestellt. Auch das Küstenverteidigungsmuseum in Swinemünde zeigt Fundstücke. Die letzten Opfer der „Lützow“ forderte eine versehentliche Explosion in Kappeln, bei der 13 Marineangehörige starben.

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