Bergung von Buckelwal in der Ostsee: Helfer starten Rettungsversuch
Buckelwal-Bergung: Helfer starten Rettungsversuch

Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal angelaufen

Der Versuch, den seit Wochen in einer flachen Bucht der Insel Poel gestrandeten Buckelwal zu bergen, hat am Vormittag begonnen. Helfer verließen den Hafen von Kirchdorf mit Booten und fuhren zu dem Tier, das sich in der Nähe von Wismar befindet. In Livestreams war zu sehen, wie die Einsatzkräfte begannen, dem Wal Gurte anzulegen. Ziel ist es, den Meeressäuger durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitstehenden Lastkahn zu führen. Der Wal zeigte sich zunächst ruhig und ließ die Prozedur über sich ergehen.

Optimismus bei Minister Backhaus

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zeigte sich zuversichtlich. „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“, erklärte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, äußerte sich optimistisch: „Wir wollen heute fertig werden.“ Die Behörden haben grünes Licht für die Verwendung von Gurten gegeben, um den rund zwölf Tonnen schweren Wal durch die rund 100 Meter lange Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Gelingt dies, soll der Buckelwal auf der Barge, die normalerweise für den Transport von Schiffen genutzt wird, wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden.

Tag der Entscheidung

Backhaus betonte, es sei der „Tag der Entscheidung“. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück“, sagte er. Bei einem Erfolg wäre dies für ihn eines der schönsten Erlebnisse seines Lebens. Der Minister wies jedoch darauf hin, dass es sich um ein Wildtier handelt, dessen Reaktionen unberechenbar seien. Die Tierärzte der privaten Initiative halten den Wal für transportfähig. Sein Gesundheitszustand sei gut, die Atmung tief und ohne Geräusche.

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Kritik von unabhängigen Experten

Wal-Experten raten hingegen von der Aktion ab. Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier solle größtmögliche Ruhe erhalten und nur palliativ versorgt werden. „Von weiteren Manipulationen am Wal“ sei abzusehen. Der Allgemeinzustand des Wales habe sich weiter verschlechtert, und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Die Aktion sei mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden. Ähnliche Einschätzungen gibt es von der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Hintergrund der Strandung

Der rund zwölf Meter lange Meeressäuger steckt seit dem 31. März in der Bucht fest. Bereits zuvor hatte sich das Tier mehrmals in flachem Wasser nahe der Küste festgesetzt, sich aber zwischenzeitlich wieder freischwimmen können. Anfang März war der Wal in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Nachdem er sich über eine ausgehobene Rinne befreien konnte, schwamm er nicht ins offene Meer, sondern zurück Richtung Wismar. Schließlich gelangte er in die Kirchsee genannte Bucht von Poel, wo er erneut strandete. Zwar konnte er sich kurzzeitig befreien, lag aber wenige Stunden später wieder fest.

Vorheriges Konzept verworfen

Backhaus hatte Mitte April entschieden, die Versuche der privaten Initiative trotz Warnungen aus der Wissenschaft zu dulden. Die Initiative wird von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Sie hat einen Lastkahn herangeschafft, um den Wal in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe war gescheitert und wurde verworfen.

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