VW schließt Hybrid-Lücke: Probefahrt im T-Roc mit neuer Technik
VW schließt Hybrid-Lücke: Probefahrt im T-Roc

Volkswagen schließt die Lücke zwischen Mildhybrid und Plug-in-Hybrid: Ab Ende 2026 werden der VW Golf und der VW T-Roc mit einem neuen Vollhybridantrieb (HEV) ausgestattet. Die Bild hatte als einziges deutsches Medium die exklusive Gelegenheit, im Rahmen des Internationalen Wiener Motorensymposiums eine Probefahrt in einem Versuchsträger zu unternehmen.

Leise und effizient: Der neue VW-Vollhybrid

Lautlos gleitet der VW T-Roc an der Wiener Hofburg vorbei. Bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 55 bis 60 km/h kann der HEV rein elektrisch fahren. Bei höherem Leistungsbedarf schaltet sich ein Verbrenner hinzu, um neuen Fahrstrom zu erzeugen. Dieser Vorgang ist kaum hör- oder spürbar. Während der rund einstündigen Probefahrt meistert der T-Roc das Zusammenspiel von Verbrenner und zwei Elektromotoren gekonnt, ohne dass ein Ruckeln zu spüren ist.

Akustisch unauffällig

Sobald mehr Leistung abgerufen wird, beispielsweise auf innerstädtischen Steigungen oder beim Beschleunigen auf der Autobahn, ist der Verbrenner im Motorraum zwar vernehmbar, die Geräuschkulisse ist jedoch selbst in diesen Situationen nicht störend oder zu laut. Volkswagen hat sich bei der Dämmung und Getriebeabstimmung besonders ins Zeug gelegt, denn nicht jeder Vollhybrid kommt ohne akustische Eskapaden aus. Auf Wunsch zeigt das Zentraldisplay im T-Roc, wo gerade Kräfte und Elektronen fließen.

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Technik im Detail

Im Motorraum arbeiten ein 1,5-Liter-Vierzylinder und zwei Elektromotoren zusammen. Beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten treibt die Batterie einen der Elektromotoren an, der wiederum die Vorderachse antreibt. Wenn die Energie in der kleinen Batterie zur Neige geht, schaltet sich der Vierzylinder zu und treibt den zweiten Elektromotor an, der als Generator Strom für die Batterie produziert (serieller Betrieb). Bei voller Leistungsanforderung werden die Kräfte von Verbrenner und elektrischem Fahrmotor vereint an der Vorderachse wirksam (paralleler Betrieb). Beim Bremsen wird die Energie zurückgewonnen: Der E-Motor verzögert und die Energie fließt zurück in den Akku.

Zwei Hybrid-Varianten

Die maximale Systemleistung beträgt 125 kW (170 PS). Der Antrieb wird in zwei Varianten angeboten, die kleinere leistet 100 kW (136 PS). Die Höchstgeschwindigkeit beider Versionen ist aus Effizienzgründen auf 180 km/h begrenzt. Der Verbrenner wird daher bei 4500 Umdrehungen pro Minute abgeregelt. Mehr wäre zwar möglich, würde den Spritverbrauch jedoch wieder in die Höhe treiben.

Kompakte Batterie für lange Lebensdauer

Dr. Jörg Theobald, Hauptabteilungsleiter in der VW-Entwicklung, steuerte den Versuchsträger durch Wien. Er erklärte, warum ein viel kleinerer Akku als bei einem Plug-in-Hybriden ausreicht. Die Batterie unter der Rückbank hat eine Bruttokapazität von lediglich 1,64 kWh, wovon das Auto nur 0,64 kWh netto nutzt. Dies bezeichnete Theobald als konservative Herangehensweise. Eine höhere Nutzung der Akkukapazität wäre möglich, wurde aber aus Haltbarkeitsgründen verworfen. Die Batterie halte ein Autoleben lang, versicherte er.

Warum ein Vollhybrid?

Warum der ganze Aufwand? Obwohl sich die E-Mobilität mittelfristig durchsetzen werde, beobachte VW auf vielen Märkten den Wunsch nach unverändertem Nutzerverhalten, so Theobald. Ein Vollhybrid biete sich da an. Vorteile seien niedrigere Betriebskosten, ein elektroautoähnliches Fahrgefühl und die einfache Nutzung ohne Ladeinfrastruktur.

Toyota als Vorreiter

Es ist nicht der erste Vollhybrid bei VW: Zwischen 2010 und 2015 gab es den VW Touareg auch als Vollhybrid. Aktuell ist Toyota bei dieser Technik führend. Der japanische Hersteller stellte 1997 mit dem Prius den ersten Hybrid vor und meldete für 2025 einen weltweiten Absatz von rund 4,4 Millionen Hybridfahrzeugen, was etwa 42 Prozent des Konzern-Gesamtvolumens entspricht.

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Einsatz in vielen Modellen möglich

Ende 2026 soll der neu entwickelte Hybridantrieb von VW die Karten neu mischen. Zunächst in Golf und T-Roc, erkennbar an der Aufschrift Hybrid am Heck. Die Technik ist laut VW für alle Modelle auf der MQB-Evo-Plattform nutzbar, dem Baukasten für Kompakt- und Mittelklassemodelle. Auch die Partnermarken wie die Nutzfahrzeug-Sparte von VW, Seat, Škoda und Cupra könnten den Antrieb übernehmen. Langfristig könnten also auch Škoda Octavia und Kodiaq oder die Cupra-Modelle Leon und Formentor mit dem neuen Antrieb ausgestattet werden. Dies sei jedoch eine Entscheidung der jeweiligen Marken; beschlossen wurde bisher nur der Einsatz in Golf und T-Roc.

Verbrauch und Preise noch offen

Wie viel spart der Antrieb im Vergleich zum Mildhybrid 1.5 eTSI? Konkrete Verbrauchswerte können noch nicht genannt werden, da die Zulassung mit Messungen noch laufe, erklärte Theobald. Die Einsparung werde sich aber lohnen, sonst würde man den Aufwand nicht betreiben. Auch die Preise sind noch nicht festgelegt, aber sinnvollerweise wird sich der Preis des Hybrids zwischen Mildhybrid und Plug-in-Hybrid ansiedeln.