Tierärztin über Ostsee-Wal-Eskalation: „Habe mich aus Angst in der Kabine eingeschlossen“
Tierärztin über Ostsee-Wal: „Habe mich in Kabine eingeschlossen“

Selbst der beste Tatort-Autor hätte das Drehbuch für den Sonntagabend in Cuxhaven nicht spannender schreiben können. Tausende Menschen verfolgten über Stunden auf news5live, wie die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies auf der „Fortuna B“ im Hafen einlief. Während die ersten Wal-Helfer gegen 20 Uhr mit der „Arne Tislius“ in Sassnitz eintrafen und sich positiv über die geglückte Befreiung des Buckelwals äußerten, erlebte Dr. Tönnies auf dem anderen Schiff aufregende und beängstigende Stunden.

Allein unter zehn Männern

Die taffe Tierschützerin befand sich an Bord der „Fortuna B“ allein unter zehn Männern. In einem Interview schilderte sie, dass die Crew sie beschuldigte, Interna an die Öffentlichkeit getragen zu haben. „Es war mulmig, sie dachten ununterbrochen, dass ich sie verraten habe. Die Situation war wirklich unangenehm“, sagte die Tierärztin. Sie betonte mehrfach, dass sie keine Informationen herausgegeben habe. Doch der Kapitän zitterte vor Wut und drohte schließlich: „Ich kann dich auch in Arrest nehmen.“ Die Crew brach daraufhin den Kontakt zu ihr ab.

Angst und Einschluss in der Kabine

Die Tierärztin hatte solche Angst, dass sie sich nachts in ihrer Kabine einschloss. Sie erklärte, sie habe nichts auf ihren Social-Media-Kanälen gepostet und ihrem ehrenamtlichen Social-Media-Manager geschrieben, dass nichts veröffentlicht werden dürfe. Dennoch erschienen auf ihrer Facebook-Seite Statements und geteilte Beiträge, allerdings ohne die üblichen Kommentare. „Ich bin seit drei Tagen desinformiert“, sagte sie bei ihrer Ankunft und fragte die Journalisten als Erstes, ob der GPS-Tracker funktioniere, den sie nicht hatte anbringen dürfen.

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Kursänderung und Polizei am Hafen

Bevor Dr. Tönnies in dieser Nacht tatsächlich von Bord gehen konnte, vergingen bange Stunden. Der Kapitän änderte den Kurs auf Wilhelmshaven, entschied sich dann aber doch für Cuxhaven. Zwischenzeitlich schaltete er den Schiffs-Tracker ab, was im Netz wilde Spekulationen auslöste. Viele sorgten sich um die Tierärztin, die für ihre klaren Worte bekannt ist. Als Polizisten am Hafen auftauchten, wuchs die Verunsicherung. Auf Nachfrage erklärte die Einsatzleitung, die Schiffsbesatzung habe die Polizei aus Angst vor Aktivisten angefordert.

Kritik an der Freilassungsaktion

Bevor Tönnies ihre Erlebnisse schilderte, lobte sie die Schiffscrew für ihre Arbeit, kritisierte jedoch die Entladung des Wals scharf. Die Aktion sei völlig aus dem Ruder gelaufen, die Verantwortlichen hätten die Rettungsmannschaft belogen und betrogen. Sie sei die Einzige gewesen, die lautstark protestierte, als die Männer zurückkamen und stolz verkündeten, sie hätten Timmy befreit. Sie begründete deren Verhalten mit „Männer. Ihr Ego.“ Sie zitierte die Aussage: „Endlich, das Mistvieh ist jetzt weg, das ist die Hauptsache, nächstes Projekt.“ Dabei hätten alle Beteiligten andere Schritte schriftlich vereinbart gehabt.

Keine Videos von der Freilassung

Bei der Freilassung war Tönnies nicht dabei; nur Jeffrey Foster durfte die Crew begleiten. Es existieren keine Videoaufnahmen, die zeigen, wie das Tier aus seinem Transportbecken befreit wurde. Die Tierärztin weiß nicht, wo sich der Buckelwal seit der Freilassung befindet. Sie hat keinen Zugriff auf die Daten des GPS-Trackers. Die Anwältin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, erklärte in der Nacht, man wisse nicht, ob der Tracker beschädigt wurde. Es träfen zwar Daten ein, aber das System funktioniere nicht wie gewünscht. Die Aufklärung laufe derzeit.

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