Bundespräsident Steinmeier betont Bedeutung des respektvollen Streits für Demokratie
Bei seinem dreitägigen Aufenthalt in der Hansestadt Stralsund hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier intensive Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt. Im Mittelpunkt standen dabei kontroverse Themen wie Sicherheit, Zuwanderung und wirtschaftliche Entwicklung. Der Bundespräsident äußerte dabei deutliche Besorgnis über die Entwicklung gesellschaftlicher Debatten, die seiner Beobachtung nach seit der Corona-Pandemie insbesondere in sozialen Medien deutlich rauer und heftiger geworden sind.
Sprachlosigkeit während Pandemie als Auslöser
Steinmeier führte diese Entwicklung unter anderem auf die Sprachlosigkeit zurück, die während der Pandemie entstanden sei. Er fürchte, dass dadurch zunehmend die Fähigkeit zum vernünftigen und respektvollen Streit verloren gehe. „Demokratie wird aber ohne Streit nicht auskommen“, betonte der Bundespräsident zu Beginn einer Diskussionsrunde mit neun Bürgerinnen und Bürgern in Stralsund. Diese Aussage bildete den thematischen Rahmen für den gesamten Austausch, bei dem kontroverse Standpunkte und Themen am Kaffeetisch offen angesprochen wurden.
Maritime Wirtschaft im Fokus
Zuvor hatte sich der Bundespräsident, der für drei Tage seinen Amtssitz von Berlin in die Hansestadt verlegte, auf dem Volkswerftgelände ein umfassendes Bild von der maritimen Industrie gemacht. Dabei traf er mit Firmenvertretern zusammen, darunter auch mit Harald Fassmer, dem Geschäftsführer der Fassmer-Werft. Das Unternehmen aus Berne in Niedersachsen baut in der großen Werfthalle in Stralsund derzeit am ersten Block des Vorschiffs des künftigen Fischereiforschungsschiffes „Walther Herwig“. Fassmer ist erst seit kurzer Zeit als Pächter auf dem traditionsreichen Stralsunder Werftgelände aktiv.
Innovative Yachten und weitere Stationen
Im Anschluss besuchte das Staatsoberhaupt auf dem gleichen Gelände das 2024 gegründete Unternehmen Pioneer Yachts, das sich auf den Bau solar-elektrischer Yachten spezialisiert hat. Steinmeier begab sich dabei sogar an Bord eines noch im Bau befindlichen Großkatamarans, um sich persönlich von den innovativen Technologien zu überzeugen.
Am Donnerstag soll die „Ortszeit Stralsund“ ihren Abschluss finden. Geplant sind Besuche der Marinetechnikschule in Parow und des Stralsunder Ozeaneums. Dort will sich der Bundespräsident auch über den bei Wismar gestrandeten Buckelwal informieren lassen. Stralsund markiert bereits die achtzehnte Station der Reihe „Ortszeit Deutschland“, mit der Steinmeier bewusst Eindrücke abseits der großen Metropolen sammeln möchte, um ein authentisches Bild der Lebensrealitäten in verschiedenen Regionen Deutschlands zu gewinnen.
Während seines Aufenthalts wurde der Bundespräsident von Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) begleitet. Gemeinsam besichtigten sie unter anderem den Nachbau der historischen Kogge „Wisemara“, die als Symbol für die maritime Tradition der Hansestadt steht. Die Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern zeigten deutlich, dass kontroverse Themen und unterschiedliche Standpunkte zum demokratischen Alltag gehören – genau wie der respektvolle Umgang miteinander in diesen Debatten.



