24 Stunden ohne Strom: Krakow am See probt mit Leuchttürmen den Katastrophenfall
Ein kompletter Stromausfall über einen ganzen Tag – was nach einem extremen Ausnahmezustand klingt, wurde in Krakow am See jetzt in einer realitätsnahen Übung simuliert. Die Stadt bereitete sich damit auf mögliche Krisenlagen vor, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren vermehrt auftraten, darunter Großbrände, Überschwemmungen oder andere extreme Wetterereignisse.
Katastrophenschutz-Leuchttürme als zentrale Anlaufstellen
Im Mittelpunkt der Übung stand der Aufbau sogenannter Katastrophenschutz-Leuchttürme. Diese speziellen Anlaufstellen sollen im Ernstfall Sicherheit, Schutz und eine erste Notversorgung für die Bevölkerung gewährleisten. Nachdem der fiktive Stromausfall bekannt wurde, trafen sich zunächst Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Gerätehaus, wenig später folgte der komplette Führungsstab.
„Wir kontaktierten dann den Bürgermeister, da er entscheiden musste, ob ein Leuchtturm-Ort eingerichtet werden soll“, berichtet Christian Pawelke von der Feuerwehr. Bürgermeister Dirk Rojahn entschied sich angesichts des Szenarios dafür, Leuchttürme in der Regionalschule sowie in den Dorfgemeinschaftshäusern der Ortsteile Charlottenthal und Bellin einzurichten.
Zusammenarbeit von Stadt, Feuerwehr und Bürgern
Stadtverwaltung, Feuerwehr und Bürger arbeiteten dabei eng zusammen. Mehr als 40 freiwillige Helfer hatte die Stadt im Vorfeld für die Übung gewonnen. Für einige Beteiligte, darunter auch den Bürgermeister, war es die erste Katastrophenschutz-Übung dieser Art.
„Wenn beispielsweise Strom ausfällt, sind viele alltägliche Selbstverständlichkeiten passé“, sagte Rojahn. Das könne schnell zu Verunsicherung in der Bevölkerung führen. Umso wichtiger sei es, Abläufe und das Zusammenspiel von Stadt, Amt, Feuerwehr und weiteren Helfern im Vorfeld einzuüben.
Unterstützung kam sogar vom örtlichen Karnevalsverein, der Statisten stellte und besorgte oder aufgebrachte Bürger mimte, um die Situation möglichst realistisch darzustellen.
Kommunikation und Notversorgung im Fokus
Während des simulierten Notfalls stellten die Teams in den Leuchttürmen die Kommunikation mit dem Landkreis sicher und setzten Notrufe ab. „Wir können darüber hinaus aber auch die Bürger informieren“, ergänzt Pawelke. So wurden unter anderem Handzettel in Pflegeeinrichtungen verteilt, um besonders vulnerable Gruppen zu erreichen.
Wärme-Insel in der Turnhalle eingerichtet
Zusätzlich ließ der Bürgermeister eine sogenannte Wärme-Insel in der Turnhalle einrichten. „Dort haben die Bürger eine Möglichkeit, sich im Notfall aufzuwärmen“, stellt Pawelke klar. Weitere Kapazitäten für besonders schwere Lagen sehen die Organisatoren etwa in Räumen des Anglervereins oder des Ruderzentrums.
Positives Fazit mit Verbesserungspotenzial
Nach Abschluss der Übung zogen die Verantwortlichen ein überwiegend positives Fazit. Die Gerätehäuser sind mit Notstromaggregaten ausgestattet, IT und Kommunikation funktionierten reibungslos. „Bei der Kommunikation sowie der Aufgabenverteilung sollten wir noch etwas nachjustieren, aber ansonsten hat alles gut geklappt“, erklärte Rojahn.
Realitätsnahe Übung mit zeitlicher Herausforderung
Ein Knackpunkt der Übung: Der simulierte 24-Stunden-Stromausfall wurde innerhalb von nur vier Stunden „durchgespielt“. In der Realität würde der Aufbau entsprechender Strukturen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Diese Diskrepanz zeigt, wie wichtig regelmäßige Übungen sind, um auf echte Notfälle vorbereitet zu sein.
Die Stadt Krakow am See hat mit dieser Übung wichtige Erfahrungen gesammelt und zeigt, wie Kommunen durch vorausschauende Planung und gemeinsames Training besser auf mögliche Katastrophenlagen vorbereitet sein können.



