Experte warnt vor größter Gefahr für Ostsee-Wal: Unheimliches Gewicht droht
Experte: Größte Gefahr für Ostsee-Wal ist unheimliches Gewicht

Rettungsaktion für Buckelwal vor Poel: Kampf gegen die Zeit

Seit Ende März hält ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal die Region um die Ostsee-Insel Poel in Atem. Das mehrfach gestrandete Tier hat bereits deutlich an Kraft verloren und wurde zeitweise von Experten aufgegeben. Die Bilder des leidenden Meeressäugers lösten bundesweit eine Welle der Anteilnahme aus und entfachten eine kontroverse Debatte über das richtige Vorgehen in solchen Situationen.

Beispiellose Rettungsaktion mit privaten Mitteln

Seit nunmehr fünf Tagen läuft vor Poel eine in dieser Form beispiellose Rettungsoperation. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht unter der Finanzierung von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert, den stark geschwächten Wal zu befreien und in die offene See zu schleppen. Die Aktion wird von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) begleitet, der am Abend mitteilte, der Wal bewege sich wieder - wenn auch nur langsam.

Dramatische Warnung des Meeresbiologen

Meeresbiologe Boris Culik, ehemaliger Mitarbeiter des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, verdeutlicht die akute Gefahr: "Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet."

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Culik erklärt weiter: "Ein Wal werde komplett von dem Wasser getragen - mit 50 Zentimeter weniger Wasser, wie morgen für die Wismarbucht gegen Mittag erwartet, werde es sehr schwierig. Dann würden die Organe gequetscht werden: die Lunge, das Herz, Leber und so weiter." Der Experte betont, dass Wale im Vergleich zum Menschen ein besonders schwaches Skelett besitzen.

Kritische Stimmen und bürokratische Hürden

Während die Rettungsaktion läuft, mehren sich kritische Stimmen. Meeresbiologe Fabian Ritter, seit 20 Jahren im Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission, äußert sich zunehmend skeptisch: "Ich würde jetzt tatsächlich an der Stelle mal ganz deutlich sagen: Dieser Wal macht, was er will. Er ist nicht zu kontrollieren und wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten."

Ritter plädiert dafür, den Buckelwal einfach in Ruhe zu lassen und weitere Rettungsversuche sogar für riskant zu halten. Gleichzeitig behindern bürokratische Hürden die Operation: Das Umweltministerium hat nach Angaben von Mitorganisatorin Karin Walter-Mommert noch kein finales "Go" gegeben, und für geplante Maßnahmen fehlen weiterhin Genehmigungen.

Technische Herausforderungen und Sicherheitsmaßnahmen

Die technische Seite der Rettung gestaltet sich äußerst komplex:

  • Die Idee, den Wal mit Gurten zu ziehen, wurde verworfen - die Verletzungsgefahr wäre zu groß
  • Ein GPS-Sender soll angebracht werden, sobald sich die Gelegenheit bietet
  • Das Wasser außerhalb der Fahrrinne ist im Kirchsee vielerorts nur hüfttief
  • Die Polizei errichtet eine neue 500-Meter-Sicherheitszone, um Störungen durch Wal-Fans zu verhindern

Ungewisser Ausgang und unterschiedliche Einschätzungen

Helfer Sergio Bambaren, beteiligter Schriftsteller und selbsternannter Wal-Flüsterer, gibt die Überlebenschancen mit 50:50 an. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert die Rettungsaktion scharf und warnt vor zusätzlichem Stress für das Tier durch Motorenlärm und menschliche Aktivitäten.

Unterdessen versucht Martin Bocklage aus Altwarp mit seinem Frachter "Robin Hood", den Wal in die Nordsee zu schleppen. Der Fährbetrieb zwischen Poel und Wismar wurde eingestellt, und auf dem Wasser gilt ein behördliches Fahrverbot. Die Adler-Reederei bestätigte, dass sie wegen der Walsituation heute keine Ausflugsschiffe fahren lässt.

Die nächsten Stunden werden entscheidend sein - nicht nur für den Wal, sondern auch für die Frage, wie Deutschland mit solchen maritimen Notfällen in Zukunft umgehen wird.

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