Bayer Leverkusen: Die ganze Saison hängt jetzt am FC Bayern München
Die Bilder nach dem Abpfiff am Samstag sprachen eine deutliche Sprache: Alejandro Grimaldo schlug frustriert auf den Rasen, Aleix García rang mit sich selbst, und Youngster Montrell Culbreath war völlig aufgelöst und musste von Teamkollegen getröstet werden. Bayer Leverkusen hatte gegen den FC Augsburg trotz einer dominanten Vorstellung und eines Offensiv-Feuerwerks mit 35:11 Torschüssen eine bittere 1:2-Niederlage kassiert.
Champions-League-Traum droht zu platzen
Statt den Angriff auf Rang vier in der Bundesliga fortzusetzen, rutschte die Werkself nach dieser Pleite auf Platz sechs ab. Parallel gewann der direkte Konkurrent TSG Hoffenheim mit 2:1 gegen Borussia Dortmund und baute seinen Vorsprung aus. Verloren ist zwar noch nichts in der Bundesliga, doch vieles deutet darauf hin, dass der Weg in die Königsklasse aus eigener Kraft kaum zu realisieren sein dürfte.
„Jeder will in der Champions League spielen und sich mit den besten Teams messen. Es wäre eine Schande, wenn wir das nicht schaffen“, sagte Verteidiger Jarell Quansah nach dem neuerlichen Rückschlag sichtlich bedient. Der Engländer ergänzte: „Wir haben noch Duelle gegen direkte Konkurrenten. Trotzdem liegt es nicht unbedingt in unseren Händen, aber wir können in jedem Spiel alles versuchen.“
Doppelte Abhängigkeit vom FC Bayern
Und genau hier kommt der FC Bayern München ins Spiel – und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen könnten die Münchner dazu beitragen, dass die Bundesliga in der kommenden Spielzeit nicht vier, sondern fünf Startplätze für die Champions League erhält. Voraussetzung ist, dass die verbliebenen deutschen Vertreter im internationalen Geschäft möglichst erfolgreich abschneiden und den Rückstand auf LaLiga aufholen.
Derzeit liegt das deutsche Oberhaus mit 21,214 Punkten nur knapp hinter Spanien (21,406 Punkte). Sollten die Bayern dafür sorgen, dass am Ende auch Rang fünf für die Königsklasse reicht, wäre das für Leverkusen ein kleiner Hoffnungsschimmer. Der Rückstand auf die TSG Hoffenheim beträgt lediglich zwei Punkte.
Pokal-Halbfinale als zweite Chance
Zum anderen bietet sich Leverkusen am Mittwoch im Halbfinale des DFB-Pokals eine weitere Chance, einer bislang teils zähen Saison doch noch eine erfolgreiche Wendung zu geben. „Es ist eine große Sache, sollten wir ins Finale einziehen. Das sollte alle elektrisieren“, betonte Geschäftsführer Simon Rolfes und sprach von einem „besonderen Spiel für alle“.
Einziger kleiner Haken: Der Gegner hat es in sich, niemand Geringeres als der deutsche Rekordmeister FC Bayern München selbst wartet. Vincent Kompanys Teams wollen die 0:1-Niederlage aus dem Viertelfinale des Vorjahres unbedingt vergessen machen und erstmals seit 2020 wieder ins Endspiel von Berlin einziehen.
Fans zeigen beeindruckende Solidarität
Nach der Pleite gegen Augsburg warteten einige Ultras hinter dem Tor auf die Werkself – nicht zu einem Krisengespräch, sondern um den Spielern den Rücken zu stärken. „Die Fans haben uns total den Rücken gestärkt. Sie haben uns einen großen Motivationsschub für das Pokal-Halbfinale gegeben“, klärte Quansah auf.
Minutenlang zog sich das Gespräch, dann gingen Spieler und Fans wieder auseinander. Aus der Nordkurve hallte dabei unüberhörbar ein Appell auf den Rasen: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus.“
Entscheidende Woche für die Werkself
Für Leverkusen beginnt nun die womöglich entscheidende Woche der Saison. Zunächst steht am Mittwoch das Duell gegen die Münchner im DFB-Pokal an, bevor es am Samstag im Bundesliga-Derby zum 1. FC Köln geht. Sollte auch dort kein Sieg gelingen, dürfte der Traum von der Champions League endgültig beendet sein.
Im Rheinland lautet die Marschroute für die kommenden Tage also: International Gebete nach München schicken und die Daumen drücken, im Pokal einen umso schwächeren Tag des FCB herbeisehnen. Davon hängt maßgeblich ab, ob die eigene Saison im Rückblick eher als Erfolg oder Misserfolg bewertet wird.
Das Finale in der Hauptstadt und die Qualifikation für die Champions League? Angesichts des großen Umbruchs im vergangenen Sommer wäre das ein absolut positives Resultat. Ein Aus im Pokal-Halbfinale und Platz sechs in der Bundesliga hingegen würden die kritischen Stimmen zwangsläufig lauter werden lassen.



