Abenteuerliche Reise im umgebauten E-Smart
Diana Lichtenthal aus dem Erzgebirge hat ihren Elektro-Smart zu einem Mini-Wohnmobil umgebaut und ist damit zu einer 14-tägigen Reise aufgebrochen. Die erste große Etappe bis zur Insel Usedom hat die 40-jährige Krankenpflegerin bereits am Sonntag erfolgreich absolviert. Ihr Ziel: Von Sachsen über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Polen bis kurz vor die russische Grenze bei Kaliningrad und wieder zurück.
Probleme mit Ladesäulen
„Das war sehr abenteuerlich“, erzählt Diana Lichtenthal im Gespräch mit unserer Zeitung. Die größte Herausforderung waren die Ladesäulen. Ihr Smart schafft nur 120 bis 130 Kilometer pro Ladung, daher ist sie ständig auf der Suche nach neuen Stromquellen. Schon im Vorfeld hatte sie passende Ladesäulen herausgesucht, doch oft zeigten die Apps Säulen an, die sich als privat herausstellten. „Oftmals zeigen Apps Ladesäulen an, so auch eine zwischen Frankfurt und Stettin, die aber privat sind und ich nicht nutzen kann.“
Als sie sich entschloss, weitere 20 Kilometer bis Stettin zu fahren, entdeckte sie in ihrer App eine Ladesäule in zehn Kilometern Entfernung. Doch die Säule auf dem Autobahnrastplatz war defekt. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch 30 Prozent Akku und eine Reichweite von 40 Kilometern. Und ich musste auf der Autobahn weiterfahren, um zur nächsten Ladesäule zu kommen. Ab 20 Prozent Akkuleistung regelt der Wagen allerdings ab, und man kann dann nur noch 50 km/h fahren“, erklärt sie die prekäre Situation.
Rettung in Penkun
Fix und fertig kam Diana Lichtenthal in der Nacht in Penkun (Landkreis Vorpommern-Greifswald) an. „Ich hatte schon damit gerechnet, dass es in diesem kleinen Nest nur wieder eine private Ladesäule gibt.“ Doch direkt neben der Kirche wartete die Rettung auf sie. Dort lud sie nicht nur den Akku auf, sondern holte auch drei Stunden Schlaf nach.
Ihre Follower können den Weg und die Erlebnisse in den sozialen Medien verfolgen. Seit sie ihren ersten pinkfarbenen Smart zu einem Minicamper umgebaut hatte, der nach 27 Jahren wegen Motorschadens in den Autohimmel zog, wächst das Interesse an ihren Reels. Ihre Fans fieberten mit, wie sie ihr ehrgeiziges Vorhaben umsetzte und ihren E-Smart in einen Minicamper verwandelte.
Ankunft auf Usedom
Nach ihrer Nachtschicht im Krankenhaus startete sie ihr Abenteuer und plante, am Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang am Meer zu sein. Wegen einer fünfstündigen Verspätung kam sie jedoch erst später auf Usedom an und verpasste den Sonnenaufgang. „Ich war das letzte Mal als Kind in Ahlbeck, damals mit meinen Eltern, und es war sehr schön. Usedom wirkte am Sonntag sehr ruhig, es waren kaum Urlauber dort. Während mein Auto lud, aß ich zu Mittag. Der Wasserbüffel-Burger hat mir sehr gut geschmeckt.“
Tierrettung in Swinemünde
Von Usedom aus fuhr sie nach Swinemünde (Polen). Begeistert zeigte sie ihren Followern das Meer und den Leuchtturm. Zwischendurch wurde Diana Lichtenthal zur Tierretterin. „Schon auf Usedom wollte ich einem Vogelküken helfen, das aus einem Nest aus drei Metern Höhe auf den Asphalt gefallen war und sich den Kopf verletzt hatte. Ich konnte es aber nicht mehr retten und legte das Küken nur noch ins Gebüsch. In Świnoujście (Swinemünde) fiel mir bei meinem ersten Stopp auf, dass ein Fisch in so einer Molle lag, halb auf dem Trockenen, und den Mund ganz weit aufgerissen hatte. Ich dachte mir: Komm, du kleiner Kerl, ich trage dich jetzt ins tiefe Wasser. Aber er schwamm immer wieder Richtung Land. Also stupste ich ihn immer wieder an, damit er ins Tiefe zurückging, doch er zog trotzdem erneut Richtung Land. Später schrieben mir dann ein paar Follower, das sei ein Petermännchen, wohl giftig, und sein Stich sei sehr schmerzhaft. Ich lud das Foto aber noch einmal bei der Google-Suche hoch und fand heraus, dass es eine Grundel wäre.“
Sehenswürdigkeiten und Zeltplatz
Viele Sehenswürdigkeiten stehen noch auf dem Plan der reiselustigen Frau, die in ihrer Freizeit auch an Laufveranstaltungen teilnimmt. Einige hat sie bereits gesehen, darunter das ehemalige Sommerhaus von Hitlers Frau Eva Braun im Wald von Pobierowo, das derzeit zum Verkauf steht. „Auch die Kirchenruine von Hoff habe ich mir angeschaut. Das ist ganz interessant; da sieht man, wie viel Land die Ostsee sich schon wieder zurückgeholt hat.“ Stück für Stück kommt sie ihrem Ziel näher. In der Nacht zum Dienstag übernachtete sie auf einem Zeltplatz in Rewal. Am Dienstagmorgen fuhr sie dann nach Kołobrzeg (Kolberg). „Die Nacht war gut. Gefroren habe ich nicht. Ich habe eine Isolierung an den Scheiben, und der Innenraum ist sehr klein. Gegen fünf Uhr schalte ich meistens kurz die Standheizung ein, damit sie die Feuchtigkeit ein bisschen herauszieht.“
Pause am Strand
Am Nachmittag fuhr Diana Lichtenthal weiter nach Osten, Ziel war am Mittwoch eigentlich die Halbinsel. Doch sie entschied sich spontan, nach einem Spaziergang am Strand und erfolgreicher Bernsteinsuche zwei Nächte auf einem noch geschlossenen Campingplatz in Jarosławiec (Jershöft) zu verbringen. Mir wurde eine Finnhütte mit Bad für 15 Euro die Nacht angeboten. „Ich lege mal eine Pause ein. Und dann fahre ich weiter“. Ziel ist Kaliningrad. „Also bis an die Grenze, nicht über die Grenze“, erzählt sie. Wir wünschen weiterhin eine gute Reise!



