Tarifkonflikt im bayerischen Nahverkehr beigelegt: Einigung nach langen Streiks
Tarifkonflikt im bayerischen Nahverkehr beigelegt

Tarifkonflikt im bayerischen Nahverkehr nach langen Streiks beigelegt

Nach einer langen und intensiven Auseinandersetzung haben sich die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband KAV im Tarifkonflikt für den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern auf eine Einigung verständigt. Diese muss zwar noch durch eine Mitgliederbefragung bestätigt werden, doch mindestens bis zum 15. Mai sind weitere Warnstreiks vom Tisch, wie beide Seiten bestätigten.

Einigung mit Licht und Schatten

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katharina Wagner bezeichnete die in der Nacht zum Donnerstag erzielte Einigung als einen Kompromiss "mit Licht und Schatten", betonte aber, dass wichtige Knackpunkte ausgeräumt werden konnten. Der KAV bewertet das Ergebnis als "für alle Seiten ausgewogenes Tarifergebnis". Der Kompromiss geht nun in die Mitgliederbefragung bei Verdi, und beide Seiten müssen sich bis zum 15. Mai erklären.

Details der Tarifeinigung

Laut KAV sieht der Kompromiss eine Entgelterhöhung von insgesamt 7 Prozent vor. Zum Jahresbeginn steigen die Einkommen um 4,1 Prozent, mindestens jedoch um 120 Euro, gefolgt von einer Erhöhung um 1 Prozent zum 1. September und um 1,9 Prozent zum 1. Januar 2027. Grundsätzlich hat der Tarifvertrag eine Laufzeit von vier Jahren, wobei zum 31. Dezember 2027 ein Sonderkündigungsrecht für die Entgelttabelle besteht, was potenzielle Neuverhandlungen im Jahr 2028 ermöglicht.

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Bei der Arbeitszeit wird eine Reduzierung von 38,5 auf 37,5 Stunden ab 2029 vereinbart. Zudem werden Mindestruhezeiten von 10,5 Stunden festgelegt, der Sonntagszuschlag erhöht und die Zeit, in der ein Nachzuschlag gezahlt wird, ausgeweitet.

Auswirkungen der Warnstreiks

Der Tarifkonflikt betrifft laut Verdi rund 9.000, laut KAV etwa 10.000 Beschäftigte bei mehr als 20 Betrieben. Die Warnstreiks hatten erhebliche Auswirkungen auf Schüler, Arbeitnehmer und weitere Reisende, da sie den öffentlichen Nahverkehr in den meisten großen bayerischen Städten teils stark einschränkten. Ganztägige oder mehrtägige Streiks führten zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag.

Hintergrund und Verhandlungsverlauf

In den letzten Verhandlungsrunden war es zu einer langsamen Annäherung der beiden Seiten gekommen. Ursprünglich hatte Verdi unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro und eine höhere Reduzierung der Wochenarbeitszeit gefordert. Die Finanzlage vieler Kommunen ist jedoch aufgrund stark gestiegener Kosten angespannt. Der bislang letzte Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV erfolgte 2023, und der "Tarifvertrag Nahverkehr" (TV-N) war bereits 2024 ausgelaufen. Verdi hatte damals beschlossen, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in anderen Bundesländern wieder Verhandlungen anstehen.

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