Historisches Atelier-Haus bei München wird verschenkt – mit Haken
Historisches Atelier-Haus bei München verschenkt

Ein historisches Atelierhaus in Gauting bei München wird verschenkt – allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung. Das Gebäude aus dem Jahr 1928, entworfen vom renommierten Architekten Richard Riemerschmid, kann kostenlos übernommen werden, jedoch nur das Haus selbst, nicht das dazugehörige Grundstück. Interessenten müssen die Villa eigenhändig abbauen, abtransportieren und an einem neuen Standort wieder aufbauen. Die Auflage des Denkmalschutzes verbietet eine bloße Einlagerung der Baumaterialien.

Hintergrund des ungewöhnlichen Angebots

Das frei stehende Einfamilienhaus mit rund 100 Quadratmetern Wohnfläche befindet sich in der Gemeinde Gauting im Landkreis Starnberg. Normalerweise würde eine vergleichbare Immobilie in München pro Quadratmeter etwa 12.000 Euro kosten – bei 100 Quadratmetern also rund 1,2 Millionen Euro. Doch die Besitzerinnen, zwei Schwestern, die das Anwesen geerbt haben, stehen vor einer finanziellen Herausforderung: Sie müssen hohe Erbschaftssteuern zahlen. Um diese begleichen zu können, planen sie, das Grundstück zu verkaufen. Der Verkauf des Hauses im Bestand scheiterte jedoch, da es das Baurecht blockiert. Ohne den Abriss wäre nur ein winziges Haus nebenan möglich gewesen.

Die Lösung: Verschenken und umsetzen

Oliver Herbst vom Münchner Maklerunternehmen Immovision, das auf Luxusimmobilien spezialisiert ist, erläutert: „Damit schlägt man drei Fliegen mit einer Klappe.“ Das Denkmalamt freut sich, weil das Haus wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann und nicht hinter einer Hecke verfällt. Der Abnehmer erhält ein historisches Gebäude kostenlos. Und die Schwestern können das Grundstück verkaufen, um die Erbschaftssteuer zu begleichen. Der Versuch, das Haus im Bestand zu veräußern, war zuvor gescheitert.

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Kosten für den neuen Besitzer

Trotz des kostenlosen Angebots kommen auf den neuen Eigentümer erhebliche Ausgaben zu. Laut Schätzung von Immovision belaufen sich die Kosten für den Abbau, Transport und Wiederaufbau auf rund 50.000 Euro. Hinzu kommen die Errichtung eines Fundaments sowie der Anschluss an Wasser, Strom und andere Versorgungsleitungen am neuen Standort. Diese zusätzlichen Arbeiten schlagen mit weiteren 100.000 bis 150.000 Euro zu Buche. „Das ist aber immer noch billiger, als ein Haus neu zu bauen“, betont Herbst. Interessenten benötigen zudem ein Grundstück mit Baurecht für eine Grundfläche von zehn mal zehn Metern.

Historischer Wert und Design

Das Atelierhaus wurde 1928 nach Plänen von Richard Riemerschmid errichtet, einem bedeutenden Vertreter des Jugendstils. Diese Kunstrichtung prägte München zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Riemerschmid zeichnete sich durch klare Formen und die Verwendung natürlicher Materialien wie Holz aus. Das Haus in Gauting ist in Holzständerbauweise erstellt und besticht durch helle Räume mit Blickachsen in die Natur. Es ist nicht nur ein Zeitzeuge, sondern auch bewohnbar. Die Makler bewerben es mit einer weißen Küche und einem freundlichen Ambiente.

Bereits zahlreiche Interessenten

Obwohl das Angebot bisher nur dem Kundenstamm von Immovision bekannt gemacht wurde, haben sich bereits rund 30 Interessenten gemeldet. Eine Idee sei, die Villa im Garten eines Schlosses aufzustellen, das als Eventlocation genutzt wird. Wichtig ist, dass der Abnehmer das Haus fachgerecht wieder aufbaut – der Denkmalschutz wird dies anschließend überprüfen. Für Sparfüchse, die ein historisches Haus schätzen und handwerkliches Geschick mitbringen, bietet sich hier eine seltene Gelegenheit. Allerdings sollten sie die anfallenden Kosten und den bürokratischen Aufwand nicht unterschätzen.

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