Ahmad Mansour: Vom Muslimbruder zum Brückenbauer
Ahmad Mansour: Vom Muslimbruder zum Brückenbauer

Personenschutz für den Extremismusforscher

Die Politikreihe „Malchower Format“ in der Uckermark geht langsam zu Ende. Der 67. Gast war am 22. April der bekannte Extremismusforscher Ahmad Mansour. Der 49-Jährige kam nicht allein: Drei Beamte des Landeskriminalamtes waren zu seinem persönlichen Schutz abgestellt. Pfarrer i.R. Thomas Dietz, der Veranstalter, erklärte vor Beginn: „Dieser Mann erfährt täglich, was Bedrohung ist.“

Warum er Personenschutz benötigt

Mansour erklärte den Personenschutz damit, dass er als Verräter gelte, weil er den Islam kritisiere. Noch schlimmer sei jedoch, dass er sich als Palästinenser nach dem 7. Oktober 2023 entschieden habe, auf der Seite Israels zu sein: „Das ist das Allergefährlichste, was ein Mensch tun kann.“

Seine eigene Geschichte

Mansour begann seinen Vortrag mit einem Blick in die Vergangenheit. Geboren 1976 in einem kleinen Dorf in Israel, wuchs er mit einem Großvater auf, der gegen den Staat Israel gekämpft hatte und sich als Palästinenser verstand. Die Kindheit seines Vaters war geprägt von Flucht und Trauma. „Unsere Familie war vom Nahost-Konflikt direkt betroffen. Wir verloren unsere Grundstücke. Meine Oma durfte über Jahrzehnte ihre Geschwister nicht sehen, weil diese nach Jordanien geflohen waren.“ Doch sein Großvater starb in einem jüdischen Krankenhaus, neben einem Holocaust-Überlebenden, behandelt von einem jüdischen Arzt.

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Sein Resümee: „Die einzige Lösung ist die Versöhnung und die Bereitschaft, in guter Nachbarschaft zu leben.“ Weder Israelis noch Palästinenser würden ihr Land verlassen, so der Islamkritiker. Er appelliert an beide Seiten, sich anzunähern.

Von der Muslimbruderschaft zur Abkehr

Mit 13 Jahren schloss sich Mansour der Muslimbruderschaft an, „einer Gruppe, die nicht nur Religion praktizieren möchte, sondern einen Systemwechsel betreiben will“. Damals fühlte er sich nicht radikal, sondern fand Orientierung und Halt. Die Rettung war sein Studium in Tel Aviv, wo er Terror und Angst erlebte. „Das war der Moment, an dem ich entschied, auszuwandern.“

Integration in Deutschland

2004 suchte Mansour Wohlstand, Sicherheit und Freiheit in Deutschland. „All das habe ich gefunden.“ Der Anfang war schwierig: „Ich habe keinen einzigen Cent vom Staat genommen, sondern mir sogar meinen Deutsch-Kurs selbst bezahlt.“ Es gab keine Teddybär-Werfer oder Ehrenamtler, die sich um ihn kümmerten. Streitbare Stunden mit Kommilitonen, der Berufseinstieg und die Heirat einer Frau aus dem Schwarzwald führten zur Integration. „Deutschland ist heute meine Heimat, denn ich habe hier die Möglichkeit bekommen, Mitgestalter zu sein.“

Warnung vor Parallelwelten

Mansour betont: „Die gut Integrierten sind unsichtbar, weil sie nicht jeden Tag sagen: ‚Machen Sie Platz, ich bin Moslem!‘ Nein, die sind Deutsche, FC-Bayern-Fans, in der freiwilligen Feuerwehr aktiv.“ Aber es gebe auch die andere Seite: zunehmende Radikalisierung in Europa, auch unter deutschen Jugendlichen. „In Zeiten der Überforderung ist die Sehnsucht nach einfachen Antworten groß.“ Er mahnt, Parallelwelten und Einflussnahme durch die Türkei und Katar in Moscheen seien ein Riesenproblem. „Ja, wir sind eine vielfältige Gesellschaft; aber da, wo aus Religion Ideologie entsteht und versucht wird, den Rechtsstaat zu unterwandern, da muss der Rechtsstaat agieren.“

Appell an die Gesellschaft

Mansour ermunterte zu alltäglicher Begegnung mit dem Fremden. „Wertevermittlung wird nur funktionieren, wenn sich Lebensmodelle treffen, wenn Reibung und Austausch da ist. Nur dann entsteht etwas unglaublich Gutes.“ Er warnte jedoch davor, wegzuschauen. Auf die Frage von Dietz, wie er es empfinde, dass aus Weihnachtsmärkten Wintermärkte würden, Schulen nur Halal-Essen anbieten und im Bundestag zu Fastenbrechen eingeladen werde, sagte Mansour: „Ein Land, das Identität scheut, geht unter.“ Abschließend appellierte er an die Gäste, stolz auf ihr Land zu sein, aber die eigenen Werte zu verteidigen.

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