Altkanzlerin Angela Merkel (71, CDU) hat am Dienstagabend im Bode-Museum ihr offizielles Porträt für die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt enthüllt. Das Gemälde stammt von dem bislang kaum bekannten Künstler Jérémie Queyras (28), der sich gegen prominente Konkurrenz durchsetzte. Merkel zeigte sich erfreut über die Zusammenarbeit: „Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt gequatscht“, sagte sie bei der Enthüllung.
Porträt zeigt Merkel ernst und staatstragend
Das Gemälde zeigt die ehemalige Regierungschefin in einem leuchtend blauen Blazer, den Blick nach vorn gerichtet – ohne das bekannte Rautenzeichen der Hände. „Das wäre dann doch zu viel Klischee gewesen, fünf Jahre nach dem Abschied vom Amt“, kommentierte ein Beobachter. Auf einem Tischchen rechts ist die Kanzlermappe zu sehen, eine elegante Reminiszenz an ihre Amtszeit. Das Bild überzeugt mit freundlicher Sachlichkeit und einem souveränen Pinselstrich, ganz anders als das goldige Fast-Heiligenbild von Gerhard Schröder, das Jörg Immendorff einst malte.
Geheimhaltung bis zur Enthüllung
Die Auswahl des Künstlers und die Entstehung des Porträts wurden streng geheim gehalten. Selbst Kulturstaatsminister Wolfram Weimer war nicht eingeweiht. Noch vergangene Woche sagte er im BILD-Interview, Merkel dürfe „selbst entscheiden“, wie lange ihre Entscheidung dauere, der Respekt gebiete, abzuwarten. Dabei war längst ein Saal im Bode-Museum reserviert – praktischerweise gleich gegenüber von Merkels Wohnung. Queyras hatte sich im April 2025 beworben und nach einem Gespräch mit Merkel den Zuschlag erhalten. Das Werk entstand anschließend in einem Atelier.
Künstler Queyras: Bisher unbekannt, bald gefragt
Jérémie Queyras, französisch-deutsch-kanadischer Künstler, war bislang kaum einem breiten Publikum bekannt. Seine Ölbilder waren für unter 1000 Euro das Stück zu haben – das dürfte sich nun ändern. Dabei hat er bereits in London, Paris, New York, Shanghai, Basel, Barcelona und Wien ausgestellt. Sein Satz „Der Weg nach oben ist der Weg nach unten, und der Weg nach vorn ist der Weg zurück“ könnte auch von Merkel stammen.
Ausstellung im Bode-Museum, Umzug ins Kanzleramt im Oktober
Das Porträt wird zunächst weiter im Bode-Museum ausgestellt, bevor es Anfang Oktober in die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt umzieht. Dort wird es in der Ahnenreihe aller Regierungschefs der Bundesrepublik hängen. Merkel schied 2021 aus dem Amt.



