Ein grüner Apfel mit einem wangengroßen, roten Fleck – das kürzlich von Agrarinfluencer „Bauer Willi“ veröffentlichte Foto zeigt ein echtes Problem: Sonnenbrand bei Äpfeln. „Äpfel können sich nicht eincremen“, kommentiert Willi Kremer-Schillings (71) aus Rommerskirchen (Nordrhein-Westfalen) das Bild, das am Samstag bei 37 Grad in seinem Garten entstand. Der Beitrag verbreitete sich rasant in sozialen Medien.
Kein Scherz: Äpfel bekommen tatsächlich Sonnenbrand
„Absolut. Das ist kein Fake, das ist ein sehr ärgerliches, zunehmendes Problem“, bestätigt Prof. Dr. Werner Dierend (68), Professor für Obstbau an der Hochschule Osnabrück. Starke UV-Strahlung zersetzt die Eiweiße im Apfel, die Hitze lässt die Zellen vertrocknen. „Im vergangenen Jahr hatte ich einen Apfel in der Hand, der mich tatsächlich an einen Bratapfel erinnert hat“, so der Experte.
Die Folgen des Klimawandels setzen der Apfelernte schwer zu. Im Mittelmeer-Raum werde teilweise die Hälfte der Ernte zerstört, so Dierend. Auch in Deutschland müssten Apfelbauern jetzt reagieren.
Was Bauern gegen Sonnenbrand tun
„Im Norden geht man dazu über, die Plantagen in den Mittagsstunden zu bewässern. Das verdunstende Wasser verringert die Temperatur merklich“, erklärt der Wissenschaftler. Im Süden seien die meisten Bäume bereits von Hagelschutznetzen überspannt, deren Schatten das Obst schützt. Zudem habe man Apfelbäume im Laufe der Jahre immer kleiner gezüchtet, um die Ernte effizienter zu machen – dadurch seien mehr Äpfel der Sonne ausgesetzt.
Obst mit leichtem Sonnenbrand könne noch als Tafelapfel 2. Klasse vermarktet werden, schlimmere Schäden führten jedoch schnell zu Fäulnis – der Apfel lande auf dem Biomüll.
Versuche mit Sonnenschutz für Äpfel
Tatsächlich gab es bereits Versuche, Äpfel „einzucremen“ – durch Beregnen mit Tonerde-Wasser. „Leider schützte der Belag zwar vor der Sonne, ließ sich hinterher aber kaum mehr vom Apfel lösen“, so Dierend. Eine praktikable Lösung sei das nicht.



