Deutscher Pass für Israelis: Einbürgerungen vervierfachen sich trotz Antisemitismus
Deutscher Pass für Israelis: Einbürgerungen vervierfachen sich

Deutscher Pass für Israelis: Einbürgerungen vervierfachen sich trotz Antisemitismus

Immer mehr israelische Staatsangehörige beantragen erfolgreich die deutsche Staatsbürgerschaft. Während vor fünf Jahren bundesweit nur 1025 Israelis eingebürgert wurden, hat sich diese Zahl laut aktuellen Angaben des Bundesinnenministeriums mehr als vervierfacht. Im Jahr 2024 erhielten bereits 4275 israelische Bürger einen deutschen Pass.

Berlin als Zentrum der Entwicklung

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in der deutschen Hauptstadt Berlin. Hier verdreifachte sich die Zahl der Einbürgerungen im Jahr 2024 auf 202 Fälle. Parallel dazu stieg die Zahl der in Berlin lebenden Israelis seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel kontinuierlich von 4039 im Jahr 2023 auf 4559 Ende 2025.

„Die steigenden Einbürgerungszahlen sind ein Vertrauensbeweis. Ob der gerechtfertigt ist, müssen wir zeigen, indem wir dem Antisemitismus entschlossen entgegentreten“, erklärt der Berliner CDU-Abgeordnete Timor Husein (45). Tatsächlich registrierte die Berliner Polizei im vergangenen Jahr 2267 antisemitische Straftaten sowie zunehmend gewalttätige Hassdemonstrationen im Kontext des Gaza-Konfliktes.

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Aufwärtstrend in ganz Deutschland

Der positive Trend bei Einbürgerungen israelischer Staatsbürger beschränkt sich nicht auf Berlin, sondern zeigt sich bundesweit – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau:

  • In Hamburg stieg die Zahl von 6 Einbürgerungen im Jahr 2020 auf 31 im vergangenen Jahr
  • In Bayern erhöhte sich die Zahl von 42 auf 117 Einbürgerungen im Jahr 2024

Persönliche Beweggründe und Engagement

Der gebürtige Israeli Dekel Peretz wählte bewusst den Tag der Deutschen Einheit, um seinen Einbürgerungsantrag abzuschicken. „Für mich war entscheidend, dass ich auch meinen alten Pass behalten kann, denn meine ganze Familie lebt in Israel“, erklärt der Historiker, der vor etwa 20 Jahren wegen der Liebe nach Berlin kam.

Peretz studierte in Deutschland, forscht heute über jüdisch-muslimische Begegnungen und engagiert sich für den Aufbau eines jüdischen Gemeindehauses am Standort der 1938 schwerbeschädigten Synagoge am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg. „Ich arbeite für eine jüdische Zukunft hier in Berlin und Deutschland. Da liegt es auf der Hand, dass ich dazugehören will“, betont der Familienvater einer siebenjährigen Tochter.

Rechtliche Erleichterungen als wichtiger Faktor

Das Bundesinnenministerium sieht rechtliche Veränderungen als wesentlichen Grund für den Anstieg der Einbürgerungen. Seit August 2021 haben Nachfahren von geflüchteten NS-Verfolgten einen gesetzlichen Anspruch auf einen deutschen Pass – selbst wenn ihre Vorfahren während der Nazizeit (1933–1945) ausgeschlossen oder abgelehnt wurden.

Die Kinder und Enkel können heute ihre Einbürgerung direkt aus dem Ausland beantragen, ohne dafür nach Deutschland umziehen zu müssen. Von den 4275 Israelis, die 2024 einen deutschen Pass erhielten, leben laut Ministeriumsangaben 3640 vorwiegend im Ausland und nicht in Deutschland.

Diese Regelung ermöglicht es vielen Nachkommen verfolgter Familien, ihre deutsche Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen, während sie weiterhin in ihrem Heimatland leben können. Die Kombination aus historischer Wiedergutmachung und praktischen Erleichterungen scheint somit einen wesentlichen Beitrag zum beobachteten Anstieg der Einbürgerungszahlen zu leisten.

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