Nur noch eine Belastungszeugin: Weinsteins dritter Prozess startet mit veränderter Ausgangslage
Der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein (74) steht erneut vor Gericht – und dieses Mal könnte die Situation für ihn günstiger sein als je zuvor. Nach zwei gescheiterten beziehungsweise aufgehobenen Verfahren beginnt nun der dritte Anlauf, und die Zahl der Belastungszeuginnen hat sich drastisch reduziert.
Die schwindende Zahl der Zeuginnen
Ein Blick auf die Entwicklung zeigt einen deutlichen Trend: Während im ersten Prozess im Jahr 2020 noch sieben Frauen gegen Weinstein aussagten, waren es im zweiten Verfahren 2024 nur noch drei. Jetzt, im dritten Prozess, tritt lediglich eine einzige Belastungszeugin auf – die Schauspielerin Jessica Mann (40).
Mann wirft Weinstein vor, sie im Jahr 2013 in einem New Yorker Hotel vergewaltigt zu haben. Bereits 2020 wurde Weinstein in diesem Punkt verurteilt, doch 2024 kassierte ein Gericht das Urteil wegen erheblicher Verfahrensfehler. Der zweite Versuch endete im Chaos mit einem Fehlprozess, da sich die Jury nicht einigen konnte.
Strategischer Vorteil für die Verteidigung
Star-Anwalt Arthur Aidala, der Weinstein bereits seit 2019 vertritt, sieht in der reduzierten Zeugenzahl einen klaren Vorteil. „Weniger Zeuginnen bedeuten mehr Raum für Zweifel“, erklärt Aidala im Gespräch mit BILD. „Und genau darauf setzen wir in unserer Verteidigungsstrategie.“
Ein weiterer Trumpf für die Verteidigung: Die Anwälte können auf frühere Aussagen der Zeugin zurückgreifen und gezielt nach Widersprüchen suchen. Zudem dürfen andere mutmaßliche Fälle bei den Beratungen der Jury keine Rolle spielen, was die Beweislage weiter vereinfacht.
„Wenn Harvey Weinstein überhaupt eine Chance auf einen Freispruch hat, dann ist es dieser Prozess“, so Aidala. Im aktuellen Strafverfahren setzt Weinstein auf neue juristische Schwergewichte: Marc Agnifilo und Teny Geragos, bekannt aus dem Verteidigungsteam von Sean „Diddy“ Combs, haben die Führung übernommen.
Freispruch wäre kein Ende
Doch selbst ein Freispruch in diesem Verfahren würde nicht bedeuten, dass Weinstein frei käme. Unabhängig vom aktuellen Prozess steht noch eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung im Fall Mimi Haley aus dem vergangenen Jahr im Raum – hier drohen bis zu 25 Jahre Haft.
Hinzu kommt: In Kalifornien wurde Weinstein bereits 2023 zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Der ehemalige Hollywood-Mogul bleibt also unabhängig vom Ausgang des aktuellen Verfahrens hinter Gittern – aktuell im Gefängniskomplex Rikers Island in New York.
Ablauf des Verfahrens
Aktuell läuft noch die Auswahl der Geschworenen. Der Prozess startet kommenden Dienstag und soll voraussichtlich rund zwei Wochen dauern. Die Augen der Öffentlichkeit sind erneut auf diesen Fall gerichtet, der bereits seit Jahren die Medien beschäftigt.
Die reduzierte Zeugenzahl könnte tatsächlich die Karten neu mischen, doch die langfristige Perspektive für Weinstein bleibt düster. Mit bereits bestehenden Verurteilungen und weiteren anhängigen Verfahren wird der einflussreiche Produzent wohl noch lange Zeit nicht in Freiheit leben.



